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Konkurrenz in Asien : Joint-Venture mit Air China könnte Lufthansa nicht reichen

Lufthansa und VW wollen Milliarden in China investieren - und bauen auf die Hilfe von Angela Merkel. Dass die Partnerschaft mit den Chinesen Lufthansa im Konkurrenzkampf genügt, gilt als fraglich.

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Eine Marke ist zu wenig. Seit Jahren schließt Lufthansa strategische Partnerschaften mit ehemaligen Konkurrenten. Nun mit Air China.
Eine Marke ist zu wenig. Seit Jahren schließt Lufthansa strategische Partnerschaften mit ehemaligen Konkurrenten. Nun mit Air...Foto: dpa

Während des Staatsbesuches von Bundeskanzlerin Merkel haben Lufthansa und Air China eine Absichtserklärung über ein Joint-Venture auf den Routen zwischen Deutschland, Österreich der Schweiz sowie Belgien und China unterzeichnet. Die Lufthansa-Gruppe leidet besonders auf den Asien-Strecken zunehmend unter der Konkurrenz von Turkish Airlines sowie den Fluggesellschaften aus den Golfstaaten.

Lufthansa und Air China sind bereits Partner in dem von der deutschen Luftverkehrsgesellschaft dominierten Airline-Bündnis Star Alliance. „Wir freuen uns, unseren Kunden, speziell in Europa und in China, gemeinsam mit Air China künftig noch bessere Flugverbindungen und Services anbieten zu können“, sagte Vorstandschef Carsten Spohr, der das Memorandum of Understanding gemeinsam mit Air China-Präsident Song Zhiyong in Beijing unterzeichnete. Die neue, vertiefte Partnerschaft soll bereits ab dem Beginn des Winterflugplans Ende Oktober zum Tragen kommen.

Mehr Möglichkeiten für Kunden zu günstigeren Preisen

Ähnliche Joint-Ventures betreibt die Lufthansa-Gruppe, zu der auch Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines gehören, bereits seit 1998 im Transatlantikverkehr zwischen Europa und Nordamerika mit den Allianzpartnern United Airlines und Air Canada, sowie seit 2012 mit der ANA auf den Japan-Strecken. Von und nach den USA und Kanada fallen täglich knapp 300 Flüge zu 61 Destinationen unter das Abkommen.

Grundgedanke dieser Partnerschaften ist die sogenannte „Metal Neutrality“. Die Mitglieder des Joint-Ventures betreiben die entsprechenden Strecken nicht mehr in Konkurrenz, sondern als einheitliches und frei kombinierbares Angebot. Die Reisenden können sich somit gegenüber dem unterschiedlichen „Metall“ – gemeint sind die Flugzeuge – bei der Buchung neutral verhalten und zu identischen Konditionen aus dem Angebot der Partner wählen.

Airlines mindern ihr wirtschaftliches Risiko

Firmenkunden und Reisebüros haben so bei den Mitgliedern des Joint-Ventures nur noch einen Vertragspartner und sollen so zur Buchung animiert werden. Die Zahl der verfügbaren Plätze bei Sondertarifen und Freiflügen im Tausch gegen Bonusmeilen steigt. Das wirtschaftliche Risiko für die einzelnen Airlines wird gemindert, die Erlöse werden gemäß dem Produktionsanteil zwischen den Partnern aufgesplittet. Auch das wirtschaftliche Risiko bei der Aufnahme neuer Strecken liegt so auf mehrere Schultern.

Für die Joint-Ventures benötigen die Mitgliedsgesellschaften jeweils die kartellrechtliche Freistellung ihrer nationalen Behörden. Diese werden in der Regel erteilt, da andere Airlines auf den entsprechenden Strecken meist ähnliche Bündnisse gründen und so die Konkurrenz auch weiterhin sichergestellt ist. „Die Fluggesellschaften der Lufthansa Group verbinden jetzt dank strategischer Partnerschaften mit führenden Airlines die vier größten Volkswirtschaften dieser Welt noch besser“, sagte Carsten Spohr. Mit Air China wurde auch eine Absichtserklärung zur verstärkten Zusammenarbeit bei der Flugzeugwartung unterzeichnet.

Die angepeilten Ziele sind nicht zu erreichen

Dass die Partnerschaft mit den Chinesen die immer größere Konkurrenz insbesondere auf den Asien-Routen ausgleicht, gilt als fraglich. Air Berlin und ihr strategischer Partner Etihad Airways, der gerade auch eine neuen Verbindung nach Zürich eröffnet hat, ziehen Umsteigepassagiere zunehmend nach Abu Dhabi ab. Emirates aus Dubai gleichen die fehlenden, zusätzlichen Verkehrsrechte durch den Einsatz größerer Flugzeuge aus und fliegen ab September auch nach Frankfurt mit dem Airbus A380. Parallel dazu wird die Zahl der Flüge nach Brüssel erhöht. Auch Qatar Airways baut das Deutschland-Geschäft aus. Und Turkish Airlines verbinden bereits 13 deutsche Städte mit ihrem Drehkreuz in Istanbul.

Carsten Spohr, der erst kürzlich eine Gewinnwarnung herausgeben musste, weil man für das laufende Jahr nur noch mit einem operativen Gewinn von einer Milliarde rechnet - bis zu ein Drittel weniger als ursprünglich erwartet -  will am Mittwoch seine Pläne für die weitere Entwicklung der Lufthansa-Gruppe vorstellen.

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