Wirtschaft : Konkurrenz wirft Ryanair Mogelei vor

Drei Millionen kostenlose Flüge, das müsse gelogen sein, heißt es bei Easyjet zu der neuen Werbeaktion

Alexander Visser

Berlin - Der Billigflieger Ryanair wirbt derzeit wieder mit Tickets zum Nulltarif – und das obwohl gerade mehrere Fluggesellschaften wegen der hohen Kerosinkosten ihre Preise erhöht haben. Ryanair hat europaweit drei Millionen Freiflüge angekündigt, in Deutschland sollen es 375000 sein. Die Fluggäste zahlen dann nur Steuern und Flughafengebühren, die sich auf zwölf bis 20 Euro belaufen. Doch wie viele Fluggäste tatsächlich in den Genuss der fast geschenkten Flüge kommen, lässt sich schwer überprüfen.

Konkurrenten von Ryanair werfen der irischen Billiglinie vor, es mit der tatsächlichen Anzahl der angebotenen Freiflüge nicht so genau zu nehmen. „Drei Millionen Flüge umsonst, das muss gelogen sein. Das wäre ungefähr ein Viertel aller Ryanair-Flüge bis Februar“, sagte Toby Nickel, Sprecher der britischen Fluglinie Easyjet, die selbst häufig mit Niedrigpreisen wirbt. Auch ein Sprecher der deutschen Air Berlin wirft Ryanair „reines Werbegeklingel“ vor.

Deutsche Verbraucherschützer haben bereits mehrfach kritisiert, Werbeaktionen von Ryanair und anderen Billigfliegern seien oft nur Lockvogelangebote. Die Kunden würden so auf die Homepage des Anbieters gelockt, doch die Gratis-Flüge seien meist schon ausgebucht, da nur ein sehr geringes Kontingent zur Verfügung stehe. „Und dieses Kontingent wird in der Werbung nicht ausdrücklich angegeben“, kritisiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Ryanair weist die Kritik zurück. „Wir sind so billig, weil wir die mit Abstand niedrigste Kostenstruktur haben“, sagte die für Deutschland zuständige Verkaufsmanagerin Caroline Baldwin dem Tagesspiegel. „Bis zu 70 Prozent der Tickets für einen Flug vergeben wir gratis.“

Gewerkschafter kritisieren, dass Ryanair die Preise auch auf Kosten der Mitarbeiter so niedrig anbiete. „Wir hören regelmäßig Beschwerden über die Arbeitsbedingungen bei Ryanair“, sagt Ingo Markowsky von der Internationalen Transportarbeiter-Föderation in London. Erstmals haben jetzt mehrere europäische Gewerkschaften ein gemeinsames Forum für Ryanair-Beschäftigte geschaffen: Unter www.ryanair-be-fair.org berichten Mitarbeiter über ihre Arbeit. „Es gibt Tage, an denen zwölf Stunden ohne Pause gearbeitet wird, und für Flugbegleiter ist nicht einmal Wasser an Bord“, ist dort zu lesen.

„Bei 2200 Mitarbeitern ist es normal, dass einzelne unzufrieden sind“, entgegnet Ryanair-Sprecherin Baldwin der Kritik der Gewerkschaften. Doch die Zufriedenheit der Angestellten sei insgesamt hoch, auch weil Ryanair gut bezahle. „Wir sagen unseren Mitarbeitern aber klar, dass wir die überdurchschnittliche Bezahlung nicht mehr garantieren können, wenn die Gewerkschaften bei den Verhandlungen mit am Tisch sitzen“, macht Baldwin deutlich.

Noch bis Donnerstag, 16.September verkauft Ryanair die Gratis-Tickets im Internet. Sie gelten zwischen 23. September und 31. Januar. Die wichtigsten deutschen Standorte von Ryanair sind Lübeck und Frankfurt–Hahn. Von dort werden Ziele wie Riga, Mailand oder Montpellier angeflogen. Von Berlin-Schönefeld gibt es eine Flugverbindung nach London-Stansted.

Als Alternative zu Schönefeld prüft Ryanair zurzeit den Flugplatz Neuhardenberg (Märkisch-Oderland). Noch fehlt dem Brandenburger Standort die Betriebsgenehmigung für internationale Passagierflüge. Allerdings würde sich Ryanair mit Starts in Neuhardenberg neue Feinde machen: Denn schon jetzt streiten Flughafenbetreiber in ganz Deutschland um die Billigflieger. Erst kürzlich wetterte die Leitung des Düsseldorfer Flughafens gegen die „Dumpingpreise“ des neuen Ryanair-Standorts Niederrhein.

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