Konkurs : Enron-Finanzchef zu sechs Jahren Haft verurteilt

Im zweitgrößten Finanzskandal der USA, der Enron-Pleite 2001, wurden das erste Urteil ausgesprochen. Der ehemalige Finanzchef Andrew Fastow muss für sechs Jahre hinter Gitter.

Houston - Damit blieb das Gericht im texanischen Houston vier Jahre unter der maximalen Strafe, die der 44-Jährige im Gegenzug für seine Zusammenarbeit mit der Anklage vereinbart hatte. Fastow hatte mit ausgeklügelten Bilanzmanipulationen wesentlichen Anteil daran, dass der Energieriese Enron seine marode Finanzlage bis kurz vor dem Konkurs im Dezember 2001 verschleiern konnte. Als Kronzeuge in dem Prozess um die Tricksereien trug er zur Verurteilung der früheren Unternehmenschefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling bei.

Neben den sechs Jahren Haft wurde Fastow zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Richter Kenneth Hoyt begründete das relativ milde Urteil damit, dass Fastow schon viel gelitten und große Reue gezeigt habe. Bei der Urteilsverkündung kämpfte Fastow gegen die Tränen an und zeigte sich beschämt über seine Taten: "Den Schaden, den ich angerichtet habe, kann ich nicht rückgängig machen." Das Urteil akzeptiere er "ohne Bitterkeit". Bei seinen Bilanzmanipulationen hatte Fastow insgeheim Verluste von einer Abteilung in die andere verlagert, Profitzahlen geschönt, indem er verdeckt die Reserven anzapfte, und fadenscheinige Geschäfte eingefädelt, um verlustreiche Anlagen wie etwa Kraftwerke loszuwerden.

Lay und Skilling hatten in dem Prozess ihre Unschuld beteuert und den früheren Finanzchef als Hauptschuldigen hingestellt. Mit seinen detaillierten Schilderungen konnte Fastow jedoch die Geschworenen davon überzeugen, dass die Konzernchefs nicht nur in seine Praktiken eingeweiht gewesen seien, sondern diese auch in Auftrag gegeben hätten. Lay wurde in sechs Anklagepunkten wegen Betrugs und Verschwörung verurteilt. Er erlag im Juli einem Herzinfarkt, noch bevor das Strafmaß gegen ihn verkündet wurde. Skilling wurde in 19 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Ihm droht eine Verurteilung von bis zu 185 Jahren Haft. Seine Strafe soll am 23. Oktober bekanntgegeben werden.

Zweitgrößter Konkurs aller Zeiten

Der Enron-Bankrott ist nach dem späteren Kollaps des Telefonriesen WorldCom bis heute der zweitgrößte Konkurs in der Geschichte der USA. Erst kurz vor dem Zusammenbruch des Energieriesen war ans Licht gekommen, dass das Unternehmen Schulden in Höhe von schätzungsweise 40 Milliarden Dollar verschleiert hatte. Durch die Pleite verloren tausende Beschäftigte ihren Job und viele zudem ihre in Firmenaktien angelegte Altersversorgung. Hinzu kamen Schäden für Börsenanleger in Milliardenhöhe. Der Skandal erregte auch deshalb viel Aufsehen, weil Lay vormals ein Förderer von US-Präsident George W. Bush war.

Der frühere Unternehmenschef von WorldCom, Bernard Ebbers, trat am Dienstag seine 25-jährige Haftstrafe an. Nach Angaben der US-Bundesgefängnisverwaltung erschien der 65-Jährige pünktlich wie vereinbart im Hochsicherheitsgefängnis von Oakdale im Bundesstaat Louisiana. Ebbers war vergangenes Jahr in New York wegen Bilanzschwindelei in Höhe von elf Milliarden Dollar verurteilt worden.

(tso/AFP)

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