Konkursverschleppung : Strafanzeige gegen Lars Windhorst

Die negativen Schlagzeilen häufen sich: Ein Britischer Finanzinvestor wirft dem Berliner Unternehmer Konkursverschleppung vor. Windhorst schweigt zu diesem Verdacht.

Lars Windhorst
"Wunderkind" Lars Windhorst. -Foto: dpa

BerlinLars Windhorst hat neuen Ärger mit seinen Geschäftspartnern. Der britische Finanzinvestor Audley Capital hat gegen den deutschen Unternehmer eine Strafanzeige wegen Konkursverschleppung gestellt, wie ein Sprecher dem Tagesspiegel am Dienstag bestätigte. Die Briten vermuten, dass Windhorst zahlungsunfähig ist. „Davon muss man ausgehen“, sagte der Sprecher. Windhorst selbst bestreitet dies allerdings.

Der einst gefeierte Jungunternehmer, der mehrere Pleiten hinter sich hat und von Ex-Kanzler Helmut Kohl in den 90er Jahren protegiert wurde, ist zusammen mit Peter Ogrisek Geschäftsführer der Berliner Vatas Holding. Auch gegen Ogrisek haben die Briten Strafanzeige gestellt. Vatas, hinter der der südafrikanische Milliardär Robert Hersov steht, hatte mit dem Kauf von 19 Prozent an Air Berlin für Aufsehen gesorgt. Am Dienstag teilte Air Berlin mit, der US-Investor Leonard Blawatnik habe das Paket übernommen.

Hintergrund der Strafanzeige ist ein gescheitertes Geschäft zwischen Audley und Vatas mit Anteilen des Münchner Altersheimbetreibers Curanum, an dem Vatas rund 18 Prozent hält. Audley hatte Ende Dezember 2007 für 29,4 Millionen Euro Curanum-Aktien gekauft. Grundlage dafür war laut Audley die Zusicherung von Vatas, die Aktien im Frühjahr zu diesem Preis wieder abzunehmen. Als der Kurs von Curanum dramatisch einbrach und Audley sein Geld forderte, kam keines. „Vatas hat die Forderung von Audley anerkannt“, sagte der Sprecher des Finanzinvestors dieser Zeitung. „Wenn Windhorst nach eigener Aussage nicht insolvent ist, soll er seine Rechnung bezahlen.“ Das Vermögen von Audley Capital liegt bei rund 900 Millionen Dollar. Während für das Curanum-Paket eine Wertberichtigung vorgenommen wurde, entwickelt sich das Gesamtportfolio gut. 2007 legte der Fonds um 20 Prozent zu, im laufenden Jahr sind es rund 25 Prozent.

Vatas wollte sich auf Anfrage nicht zu der Strafanzeige äußern, ließ aber mitteilen, die Holding sowie deren Tochterfirmen seien nicht insolvent und hätten keinen Insolvenzantrag gestellt. Die von Audley Capital behauptete Forderung bestehe nicht. „Sie ist Gegenstand eines laufenden gerichtlichen Verfahrens vor dem Landgericht Berlin“, so Vatas. Die Verhandlung beginnt am 30. Juli.

Irritiert von der Informationspolitik seines Großaktionärs zeigte sich Curanum: „Vatas informiert uns überhaupt nicht mehr“, sagte ein Sprecher.

Aus ähnlichen Gründen wie Audley Capital ist auch die Norddeutsche Landesbank (NordLB) unfreiwillig Großaktionär bei Curanum – genauso beim Handyausrüster Balda und dem Netzwerkanbieter Euromicron. In allen Fällen war die Landesbank auf Aktienpaketen sitzengeblieben. Sie hatte die Pakete für einen nicht genannten Kunden erworben, der sie später aber nicht mehr haben wollte. Dabei soll es sich um Vatas handeln. Die NordLB hatte rechtliche Schritte angekündigt – ist bis heute aber bei den genannten Unternehmen engagiert. Der Aktienhändler, der sich auf die missglückten Geschäfte eingelassen hatte, wurde zwischenzeitlich entlassen. Zum Stand der juristischen Aufarbeitung wollte sich ein NordLB-Sprecher am Dienstag auf Anfrage nicht äußern.

Auch die zur BayernLB gehörende österreichische Bank Hypo Alpe Adria musste laut Finanzkreisen Aktienpakete abschreiben, die sie im Auftrag der Vatas erworben hatte. (mot/ddp)

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