Wirtschaft : Konnichiwa!

Wer sich fließend auf Englisch, Japanisch oder etwa Spanisch unterhalten kann, hat bessere Karrierechancen. Um Fremdsprachen zu lernen, haben sich Volkshochschulkurse bewährt. Apps und Internetportale bieten sich zur Ergänzung an.

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Sprachkenntnisse sind ein wichtiger Faktor für die Karriere. Und oft sogar eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass man einen Job überhaupt bekommt – oder innerhalb eines Unternehmens aufsteigen und zum Beispiel eine Niederlassung in einem anderen Land übernehmen kann. Doch wie eignet man sich eine fremde Sprache am besten an? Und wie vertieft man schon vorhandene Kenntnisse?

Heike Rebel ist davon überzeugt, dass man Fremdsprachen am besten im jeweiligen Land lernen und üben sollte. „Das geht viel schneller, und sie bleibt danach besser im Kopf“, sagt die Bewerbungs- und Karriereberaterin, die sich ebenfalls intensiv mit verschiedenen Sprachen beschäftigt hat. Rebel ist ausgebildeter Coach und Diplom-Kauffrau, aber auch Fremdsprachenkorrespondentin für Englisch und Französisch. Vor allem Englisch sei heute im Berufsalltag essentiell, daneben biete etwa Spanisch viele Perspektiven, da es in sehr vielen Ländern gesprochen wird. „Arbeitnehmer, die in ihrer Firma bleiben wollen und noch auf der Suche nach einer neuen Sprache sind, sollten bei ihren Vorgesetzten nachfragen, in welchen Ländern das Unternehmen in Zukunft tätig sein möchte“, rät Heike Rebel.

Wer auf der Suche nach Informationen zum Thema ist, wird vielleicht am kommenden Wochenende auf der Messe „Expolingua“ in Berlin fündig (15. bis zum 17. November). Dort zeigen 150 Anbieter aus 25 Ländern in Vorträgen und Workshops, wie man – auch mit wenig Zeit – eine neue Sprache lernt.

Auch die Stiftung Warentest hat sich gerade mit diesem Thema beschäftigt: Sie hat ihren Leitfaden zum Fremdsprachenlernen überarbeitet, die neue Version kann am dem 15. November online abgerufen werden (siehe Kasten). Die Autoren liefern ganz unterschiedliche Anregungen zum Fremdsprachenerwerb. Sie stellen insgesamt zehn Wege zur neuen oder verbesserungswürdigen Sprachkenntnissen vor: Sprachreisen und Kurse, Fernunterricht, Lernsoftware, Onlinekurse, Lernportale im Internet oder Lernapps wie etwa Vokabeltrainer. Weitere Möglichkeiten sind Audiokurse, Medien wie Bücher, Radio und Zeitungen beziehungsweise eine Lernpartnerschaft, die auch oft auch Tandem genannt wird.

Vor der Auswahl der Methoden stehe die Frage nach dem Ziel: Will man das Hör- oder Leseverständnis verbessern, oder geht es eher ums Sprechen und Schreiben beziehungsweise um Grammatik und Vokabeln? Oder möchte man am liebsten alles auf einmal üben? „Sprachkurse im realen, aber auch im virtuellen Raum sind eine gute Basis“, sagt Christina Engel, die bei der Stiftung Warentest als Redakteurin den Weiterbildungsbereich betreut. Das Lernen in der Gruppe und mit einem Lehrer motiviere und schaffe Verbindlichkeit. Trotzdem sei es wichtig, Sprachkurse mit anderen Lerntechniken zu kombinieren. „Man sollte sich selbst Anlässe schaffen, Fremdsprachen anzuwenden, und sie in den Alltag integrieren."

Am besten sei es, täglich an den Sprachkenntnissen zu arbeiten. Im Leitfaden wird sogar empfohlen, lieber viermal täglich fünf Minuten zu lernen als einmal am Tag 20 Minuten. Statt eine einzelne Vokabel zu üben, sollte man das neue Wort in einem ganzen Satz notieren.

Und wo macht man nun am besten einen Kurs? Warum nicht in der Volkshochschule! Sie hat es nicht leicht, wird oft ein bisschen belächelt und als Bildungseinrichtung häufig vollkommen ignoriert. Dabei kann die Volkshochschule durchaus mit anderen Anbietern mithalten. Das hat auch eine im Oktober veröffentlichte Untersuchung der Stiftung Warentest gezeigt, die sich mit drei- bis fünfmonatigen Englischkursen für Fortgeschrittene beschäftigte. Alle Kurse wurden einmal wöchentlich in Gruppen abgehalten. Die Volkshochschulen überraschten die Tester, denn sie erwiesen sich als „echte Alternative“ zu ihren Mitbewerbern. Die Qualität war ähnlich, die Preise günstiger. Die Differenzen waren extrem: Während Wall Street English für einen dreimonatigen Kurs 2000 Euro verlangte, kosteten die Angebote der Volkshochschulen lediglich zwischen 72 und 160 Euro. Als Handicap benannten die Tester aber deren Gruppengröße – bis zu 20 Teilnehmer könnten das Lerntempo stark drosseln.

Die Volkshochschulen können nicht nur mit anderen Anbietern konkurrieren, sie haben ihre Leistungen in den vergangenen Jahren auch ausgeweitet. Mittlerweile organisieren sie nach Absprache individuelle Kurse für Firmen, die ihre Mitarbeiter in einer Fremdsprache weiterbilden möchten. „In der Vergangenheit wurden die Schulungen in unseren Räumlichkeiten durchgeführt“, sagt Helmut Keller, Direktor der Volkshochschule Pankow. Unterricht in den Unternehmensräumen sei aber ebenso möglich.

Einen eindeutigen Trend zu einer bestimmten Fremdsprache kann man in Pankow nicht erkennen. Englisch werde „von den Werktätigen traditionell immer gut nachgefragt“. Leicht gestiegen sei 2013 allerdings das Interesse an Japanisch – und an Gebärdensprachkursen.

Einige Englischkurse arbeiten in Pankow schon seit vielen Jahren auch mit dem „Superlearning“. Diese Unterrichtsmethode unterscheidet sich deutlich vom klassischen Unterricht. Sie ist stark konversationsorientiert, interaktiv, setzt auf den Einsatz von Musik und den bewusst gelenkten Ablauf von Entspannung und Aktivität. Von Berufstätigen werde dies nach einem aufreibenden Arbeitstag als „sehr angenehm“ wahrgenommen.

Im nächsten Jahr baut die Volkshochschule ihr Angebot weiter aus: Ab dem Frühjahr gibt es dort so genannte Blended Learning-Kurse in Englisch. Sie wurden für Menschen entwickelt, die bislang aus Zeitgründen keinen Sprachkurs besuchen konnten. Sie werden an drei bis vier über ein Semester verteilten Präsenzterminen stattfinden. Dazwischen liegen ausgedehnte Online-Lernphasen, innerhalb derer über eine Lernplattform und unter Aufsicht der Kursleitung Lerninhalte erarbeitet beziehungsweise vermittelt werden.

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