Wirtschaft : Konrad Hinrichs wird Nachfolger von Heinrich Binder - Boehm-Bezing bleibt Aufsichtsratvorsitzender

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Holzmann-Chef Heinrich Binder muss jetzt doch seinen Hut nehmen. Der Aufsichtsrat des Baukonzerns beschloss am Donnerstag, den 49-jährigen Manager mit sofortiger Wirkung durch Konrad Hinrichs, den früheren Chef des Stuttgarter Bauunternehmens Züblin AG zu ersetzen. Der 62-jährige Manager gilt aber nur als Übergangskandidat, bis Holzmann wirklich saniert ist und wieder mit langfristiger Perspektive arbeiten kann. Binder stand seit September 1997 an der Spitze des Frankfurter Baukonzerns: Er hatte Holzmann in seiner Amtszeit umgekrempelt und verlustträchtige Geschäfte mit einem Volumen von drei Milliarden Mark aufgedeckt und abgebaut, war aber nicht auf das zusätzliche Loch von 2,4 Milliarden Mark gestoßen, dasHolzmann vor knapp drei Wochen fast in die Pleite gezogen hatte. Aufsichtsratschef Carl von Boehm-Bezing bleibt im Amt.

Hinrichs hatte sich Ende 1996 aus dem aktiven Managerleben zurückgezogen. Bis dahin stand er an der Spitze des Stuttgarter Baukonzerns. Danach wechselte er in den Beirat des Unternehmens. Vor Binder hatte schon Finanzchef Rainer Klee Holzmann verlassen müssen. Ihm waren vor allem Versäumnisse beim Projekt Köln-Arena angelastet worden. Allein dieses Vorhaben riss ein Loch von einer halben Milliarde Mark in die Holzmann-Bilanz.

Binder hatte noch gemeinsam mit Betriebsratschef Jürgen Mahneke Bundeskanzler Gerhard Schröder für eine Rettungsaktion der Bundesregierung gewinnen können. Unter den Holzmann-Beschäftigten war er daher auch nicht unbeliebt. Aber ihm wurde von Beginn der neuerlichen Krise zur Last gelegt, dass er die neuen Löcher nicht aufgedeckt und noch bis Mitte Oktober Holzmann auf dem Weg zurück zu schwarzen Zahlen gesehen hatte. Holzmann-Aufsichtsratschef von Boehm-Bezing war in den letzten Tagen mehr und mehr auf Distanz zu Binder gegangen. Dies galt als mehr oder weniger eindeutiges Indiz für die Ablösung des Holzmann-Chefs. Als Nachfolger waren unter anderem auch Kajo Neukirchen, Vorstandschef der Metallgesellschaft, und der ehemalige Otelo-Chef Thomas Geitner im Gespräch. Boehm-Bezing selbst hatte Binder 1997 vom Autozulieferer Kolbenschmidt zu Holzmann geholt.

Binder hatte zwar selbstkritisch eingeräumt, dass es von außen betrachtet wenig verständlich sei, dass er die neuen Risiken nicht entdeckt habe. Die Schuld allerdings wies er seinem Vorgänger Lothar Mayer und dessen Vorstandskollegen zu. Sie hätten wichtige Unterlagen systematisch zurückgehalten. Auch Boehm-Bezing hat immer wieder auf kriminelles Agieren verwiesen. Holzmann hat bereits Mitte November Anzeige wegen Betrug und Bilanzfälschung gestellt. Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt ermitteln seitdem gegen ehemalige Holzmann-Manager.

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