Wirtschaft : Konsolidierungsprozess der Branche zwingt zur Zusammenarbeit (Kommentar)

Ursula Weidenfeld

Die Verkehrstechnikbereiche von Siemens und Bombardier wollen enger zusammenarbeiten. Das ist sinnvoll: Gemeinsame Projekte und Aufträge an Konsortien sind in der Branche ohnehin üblich. Außerdem stehen die Unternehmen unter Druck. Wer heute einen Auftrag aus dem Ausland bekommen will, muss garantieren, dass er einen großen Teil des Aufragsvolumens in dem Land herstellen lässt, das den Auftrag für eine U-Bahn, eine Bahnstrecke oder ein paar Züge vergibt. Das fällt den Unternehmen zwar nicht schwer - aber die industriellen Arbeitsplätze in der deutschen Verkehrstechnik sind dadurch hart getroffen. Personalabbau und die Schließung ganzer Standorte sind an der Tagesordnung. Dazu kommt, dass die Kunden immer anspruchsvoller werden. So hat die Deutsche Bahn AG als einer der wichtigsten Kunden im Inland bislang den Entwicklungsprozess neuer Produkte durch eigene Tests und Ingenieure ständig begleitet. Heute erwartet sie von den Bahntechnikunternehmen fertige Produkte. Wie schwer sich die Firmen mit den neuen Aufgaben tun, ließ sich in den vergangenen Monaten an den Pannen mit Neigetechnikzügen, neuen Lokomotiven und neuen Züge im Nahverkehr erkennen.

Die Verkehrstechnikunternehmen müssen besser werden - und schlanker. Berlin ist mit Siemens, Adtranz, und der Bombardier-Tochter DWA einer der wichtigsten Standorte in Deutschland. Berlin ist immer betroffen, wenn der Konsolidierungsprozess der Branche in die nächste Runde geht. Auch wenn jetzt alle Beteiligten versichern, dass es nur um lockere Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit geht: Die Beschäftigten der Verkehrstechnikunternehmen sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es sicherere Arbeitsplätze gibt als die bei Siemens, DWA und Adtranz. Denn nur Kooperation und Konzentration werden auf mittlere Sicht die Erträge der Unternehmen - und damit wenigstens einen Teil der Arbeitsplätze - sichern.

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