Wirtschaft : Konsum Berlin macht Rekordverlust

Genossenschaft hat Immobilien um 96 Millionen Euro zu hoch bewertet

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Berlin (msh). Die angeschlagene Konsumgenossenschaft Berlin hat im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von mehr als 96 Millionen Euro gemacht. Grund dafür seien „Wertberichtigungen für Immobilien“, sagte KonsumVorstandschef Alexander Lottis. Um die Verluste auszugleichen, müssten die Rücklagen und sämtliche Einlagen der Genossen aufgezehrt werden. Andernfalls sei eine Insolvenz unvermeidbar. Schwere Vorwürfe erhob Lottis gegen die ehemaligen Manager der Konsumgenossenschaft. Den Absturz der Preise auf dem Berliner Immobilienmarkt seit Mitte der Neunzigerjahre hätten die Vorstände „lange schlichtweg ignoriert“.

Die Konsumgenossenschaft war nach der Wende von einem Handelsunternehmen in einen Immobilien- und Dienstleistungskonzern umgewandelt worden. Wichtigstes Geschäft der Konsum ist die Vermietung von Grundstücken an Einzelhändler wie Lidl oder Plus. Daneben betreibt die Genossenschaft Reisebüros und Gaststätten. Wichtige Kapitalgeber des Unternehmens sind die rund 190 000 Genossen, die Einlagen von bis zu 25 000 D-Mark pro Person getätigt haben.

Die Genossen müssen jetzt mit dem Verlust ihrer Einlagen in Höhe von 57 Millionen Euro rechnen. Bislang hatte der Konsum regelmäßig eine Dividende ausgeschüttet. Um das Überleben des Unternehmens zu sichern, müssen die Gläubigerbanken der Konsum nach Angaben von Lottis Tilgungen strecken und auf Forderungen verzichten. Konsum ist bei den Instituten mit rund 140 Millionen Euro verschuldet. Bei einer „Bankenrunde“ am 10. September werde Lottis, der erst seit zwei Monaten Konsum-Chef ist, das neue Sanierungskonzept präsentieren. Der Vorstand hoffe, die Banken überzeugen zu können, dass der Weiterbetrieb des Konsums einträglicher sei als ein Insolvenzverfahren.

Bereits am kommenden Mittwoch stellt sich Lottis in einer außerordentlichen Vertreterversammlung den Genossen. Hier solle auch darüber entschieden werden, ob gegen ehemalige Vorstände oder Aufsichtsratmitglieder juristische Schritte eingeleitet werden, sagte Lottis. Die Staatsanwaltschaft hat bereits ein Vorermittlungsverfahren gegen Lottis’ Vorgänger Heinz Jäger eingeleitet. Der Vorwurf lautet auf Untreue.

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