Konsum verhindert Rezession : BDI schlägt Alarm wegen schwacher Investitionen

Berlin - Die Investitionszurückhaltung hierzulande macht zunehmend Sorgen: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) sieht die Wirtschaft „kurz vor einem Substanzverlust“, die Wachstumsperspektiven würden „deutlich“ eingeschränkt. Bereits seit mehr als zehn Jahren sei die Investitionsquote hierzulande rückläufig, und das trotz niedriger Zinsen. Mit Blick auf die kommenden Monate „bleiben die Aussichten für eine ordentliche Jahreswachstumsrate äußerst gedämpft“, schreibt der Industrieverband in seinem jüngsten Konjunkturreport. „Das schon schwache Wachstumsergebnis von 0,7 Prozent aus dem Vorjahr zu erreichen oder gar zu übertreffen, wird zunehmend unwahrscheinlicher.“

Positiv sind derzeit nur der stabile Konsum und die geringe Arbeitslosigkeit, wobei sich beide Bereiche wechselseitig beeinflussen. Nach Einschätzung des BDI wird der Konsum „durch die abnehmende Arbeitsplatzunsicherheit gestützt“. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 6,6 Prozent, und mit 29,21 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zählten die Statistiker 373 000 Personen mehr als vor einem Jahr. Allerdings war die Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt etwas schwächer als in den Vorjahren, was indes nicht nur mit den schwachen Investitionen, sondern auch mit dem langen Winter erklärt wird. Dabei schlitterte die deutsche Wirtschaft nur knapp an einer Rezession vorbei. Denn nach einem Rückgang um 0,7 Prozent im vierten Quartal 2012 wuchs das Bruttoinlandprodukt im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bei zwei Minus-Quartalen nacheinander spricht man von Rezession. „Dank des robusten privaten Konsums zum Jahresbeginn, der um 0,8 Prozent zulegte, konnte jedoch das Abgleiten in eine Rezession verhindert werden“, schreibt der BDI

Vor allem die Krise in Europa schlägt inzwischen durch. „Die Ausfuhren aus Deutschland mussten im Mai einen herben Rückschlag hinnehmen“, und zwar um minus 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Exporte in die Euro-Zone fielen dabei um fast zehn Prozent. In den ersten Jahresmonaten lieferte die Außenwirtschaft aber immer noch einen positiven Wachstumsbeitrag. Anders als die Investitionen, deren Beitrag „mit insgesamt 0,4 Prozent deutlich negativ“ war. Im ersten Quartal wurde (im Vergleich zum Vorquartal) um 0,6 Prozent weniger in Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge investiert. Seit nunmehr Ende 2011 sind diese Investitionen rückläufig. Der private Konsum werde nicht ausreichen, „die deutsche Wirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen“, resümiert der BDI.alf

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