Wirtschaft : Konsumelektronik setzt auf die IFA

Deutsche Branche beklagt erneut sinkende Umsätze / Funkausstellung als "Konjunkturlokomotive"

BERLIN(mot).Von der Internationalen Funkausstellung (IFA) verspricht sich die Unterhaltungselektronik "Aufträge in Milliardenhöhe".Die am Wochenende beginnende IFA werde für die deutschen Unternehmen als Konjunkturlokomotive dienen und der Branche, die seit Jahren rückläufige Umsätze verzeichnet, positive Impulse geben, erklärte der Vorsitzende des Fachverbandes Unterhaltungselektronik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI), Herbert Bruch, am Mittwoch.Während die Branchenumsätze weltweit in diesem Jahr erneut anwachsen, wird der europäische und insbesondere der deutsche Markt abermals vom Preisverfall und wachsendem Wettbewerbsdruck getroffen. Die klassische Unterhaltungselektronik setzt nach Bruchs Angaben im laufenden Jahr voraussichtlich 226 Mrd.DM (1995: 216 Mrd.DM) um.Die deutsche Branche erwarte hingegen einen Umsatzrückgang von 4,6 Prozent auf rund 17 Mrd.DM.Der europäische Gesamtumsatz, an dem die Deutschen einen Anteil von 32 Prozent haben, werde 1997 auf rund 54 Mrd.DM (1996: 57 Mrd.DM) sinken.Rund um den Globus werden Bruch zufolge in diesem Jahr 112 Mill.Fernsehgeräte, 60 Mill.Videorecorder, 15 Mill.Camcorder und 40 Mill.Hifi-Anlagen verkauft. In IFA-Jahren verlaufe die Saison anders als in Jahren ohne Funkausstellung, erklärte Bruch.Deshalb seien die mit minus 9,7 Prozent auf 7,54 Mrd.DM rückläufigen Umsätze im ersten Halbjahr 1997 keine Überraschung.Die Nachfrage werde sich in der zweiten Jahreshälfte, wenn die IFA-Neuheiten bekannt und auf dem Markt seien, verstärken.Vor allem das Herbst- und Weihnachtsgeschäft, in dem rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet würden, werde sich nach der IFA beleben.Zudem fehlten in diesem Jahr die sportlichen Großereignisse des ersten Halbjahres 1996 wie Olympische Spiele und Fußball-Europameisterschaften.Insgesamt falle mit Blick auf die Umsätze auf, "daß an der Preisfront noch keine Ruhe eingekehrt ist", so Bruch.Der Preisverfall belaufe sich auf zwei bis drei Prozent.Billigst-Anbieter stammten vor allem aus China und dem Nahen Osten.Im ersten Halbjahr 1997 seien besonders der gesamte Video-Bereich sowie das Segment der tragbaren Audio-Geräte betroffen, positiv entwickele sich dagegen der Verkauf von Sat-Receivern und Hifi-Systemen. Obwohl der Fachverband vor der "Supermesse nicht in Euphorie" verfalle, sei man für die Zukunft verhalten optimistisch, sagte Bruch.Der Preisverfall dauere zwar an, sei aber im Vergleich mit den Vorjahren, als er zwischen acht und zehn Prozent ausgemacht habe, abgeschwächt.Zudem befinde sich die Unterhaltungselektronik mitten in einem Strukturwandel, der die bislang eigenständigen Sparten der Unterhaltungselektronik, der Informations- und Kommunikationselektronik und der Medien zusammenführe.Produziert würden entsprechend "Konvergenzprodukte" für einen globalen Wachstumsmarkt.Etwas günstiger falle das Branchenbild aus, wenn der Markt für private Telekommunikation und Computer für den Hausgebrauch einbezogen werde.So gaben die Haushalte 1996 für Telefone und Zusatzgeräte mit 1,4 Mrd.DM 2,6 Prozent mehr aus als 1995."Neue Anwendungen schaffen neue Märkte." Der Übergang schlage sich zwar noch nicht in den aktuellen Zahlen nieder, das "Umsatz-Glas" der Branche sei aber halbvoll."Von Aufschwung zu sprechen wäre aber übertrieben", räumte Bruch ein. Die Branchenentwicklung spiegelt sich auch in den Beschäftigtenzahlen wider.So seien in Deutschland heute noch rund 38 000 Menschen in der klassischen Unterhaltungselektronik beschäftigt, vor allem im Vertrieb und Service, erklärte Bruch."Weniger als 10 000 sind noch in der Produktion tätig." Im vergangenen Jahr zählte die Branche noch über 40 000 Mitarbeiter. Die 41.Internationale Funkausstellung (30.August bis 7.September) befindet sich laut Messe Berlin und IFA-Veranstalter Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) in diesem Jahr auf Rekordkurs.812 Aussteller aus 33 Ländern werden auf einer um 30 Prozent größeren Ausstellungsfläche teilnehmen.

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