Wirtschaft : Konsumflaute schadet Einkaufszentren nicht

HAMBURG (dpa).Die Hiobsbotschaften für den deutschen Einzelhandel reißen nicht ab: Hohe Arbeitslosigkeit, sinkende Realeinkommen, finanziell ausgeblutete Kunden und harte Preiskämpfe lassen in der Branche schon lange keine Freude mehr aufkommen.Seit fünf Jahren gehen die realen Umsätze abwärts.In dieser Wüste schlechter Nachrichten und Aussichten gibt es eine blühende Oase: Gut konstruierte und geführte Einkaufszentren verzeichnen auch im Konjunkturtal der Branche ein stetiges Wachstum.

"Der Umsatz in unseren Shopping Centern hat in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um vier Prozent pro Jahr zugenommen, flächenbereinigt wohlgemerkt", sagt Andreas Mattner, einer der Geschäftsführer der ECE Projektmanagement GmbH in Hamburg.Der Marktführer in Deutschland führt 48 große Einkaufsstätten vom Einkaufs-Center Perlach in München bis zum Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg.Bald werden es - durch Zukauf und Neubau - rund 60 Standorte in Ost- und Westdeutschland sein.Der Einzelhandelsumsatz in diesen Centern belief sich 1997 auf zehn Mrd.DM.

"Wir bauen keine Einkaufsmaschinen, sondern lebendige Marktplätze", sagt Mattner zum Erfolgsrezept von ECE.Entscheidend sei der Standort: "Wir gehen am liebsten in die Innenstädte oder bei größeren Städten in Bezirkszentren", sagt Mattner."Wichtig sind integrierte Lagen, die grüne Wiese interessiert uns nicht." Die ECE, vor 33 Jahren ins Leben gerufen vom legendären Versandhausgründer Werner Otto und noch heute im Besitz der Familie, setze zudem auf eine sehr langfristige Strategie: Städtebauliche und architektonische Qualität werde ebenso wichtig genommen wie eine gesunde Branchenmischung und die Beteiligung lokaler Händler.

Mit dieser Vorstellung ist ECE zu einem Großunternehmen mit 1100 hochspezialisierten Mitarbeitern herangewachsen, das ein Bau- und Planungsvolumen von vier Mrd.DM disponiert.Neben der Entwicklung und dem Betrieb von Einkaufszentren - teils gemeinsam mit Partnern wie der Deutschen Bank - traten gewerbliche Immobilien sowie als jüngste Sparte der Umbau von Bahnhöfen."Das erste Objekt in Leipzig war ein großartiger Erfolg; dort sind jetzt täglich doppelt soviele Menschen wie früher", sagt Mattner.Weitere Objekte sind in Köln und Hannover in Bau oder in der Vorbereitung.

Vor dem Hintergrund der Geschäftsentwicklung und der günstigen Ertragslage ist Mattner für die nächsten Jahre optimistisch: "Der Trend zu unserem System ist stark, denn die Städte haben Probleme, und wir sind die Problemlöser", sagt der Manager.Gegen die drohende Verödung der Städte helfe nur ein lebendiger Handel."Dort, wo es unsere Einkaufszentren gibt, wirken wir stabilisierend auf die Stadtteile und setzen zudem städtebauliche Akzente", so Mattner.

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