Konsumklima so gut wie lange nicht mehr : Die Deutschen kaufen und kaufen

Man gönnt sich was: Das GfK-Konsumklima steigt auf einen neuen Bestwert, keiner hat Lust, zu sparen. Eine neue Regierung könnte das ändern, warnen Wirtschaftsforscher.

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Eine Frauenhand hält zahlreiche Einkaufstüten.
Weil es auf der Bank kaum Zinsen gibt, geben die Deutschen ihr Geld lieber aus.Foto: dpa

Berlin - Egal ob Fernseher, Möbel oder Kleidung: „Die Bürger gehen geradezu euphorisch shoppen“, fasst Rolf Bürkl von der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) die Ergebnisse der neuen Konsumklimastudie zusammen. Demnach ist die Stimmung unter Deutschlands Verbrauchern so gut wie seit Jahren nicht mehr. Ihre Konsumneigung, die im August bereits auf den höchsten Wert seit Dezember 2006 geklettert war, hat im September noch einmal leicht zugenommen. Der Konsumindex, der die Gesamtstimmung beschreibt, stieg auf sieben Punkte. Für Oktober erwarten die Marktbeobachter abermals einen Zuwachs auf 7,1 Punkte, hieß es bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Nürnberg. Insgesamt dürfte der private Konsum in Deutschland in diesem Jahr real so um etwa ein Prozent zunehmen – und damit zur wichtigsten Konjunkturstütze werden.

Verbraucher schätzen die Lage als positiv ein

Und dies, obwohl die Einkommenserwartung im September zum zweiten Mal in Folge leicht zurückgegangen ist, gemessen daran, was Arbeitnehmer für ihr Geld bekommen. Aufs Portemonnaie drückten vor allem die stark gestiegenen Lebensmittelpreise. Man bewege sich bei den Einkommen aber immer noch auf ungewöhnlich hohem Niveau, hieß es. Die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, sei allgemein gering. „Steigende Beschäftigung und stabile Arbeitslosenzahlen in Verbindung mit realen Einkommenszuwächsen sind die wichtigsten Gründe für die positive Binnenkonjunktur“, sagt Marktbeobachter Bürkl. Es häuften sich die Signale, dass sich die deutsche Wirtschaft wieder dynamischer entwickeln werde. Das sähen auch die Konsumenten – ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in den kommenden zwölf Monaten, die bei der vorherigen Befragung eher negativ ausgefallen war, hellte sich wieder auf.

Dennoch schließen die Forscher nicht aus, dass sich die gute Verbraucherlaune im Herbst eintrüben könnte. Je nachdem, welche Regierung sich bilde, könne das zu Verunsicherung bei den Bürgern über mögliche finanzielle Zusatzbelastungen führen, sagt Bürkl. SPD, Grüne und Linke etwa hatten vor der Wahl Steuererhöhungen für Besserverdienende gefordert.

Die Schuldenkrise wirft Schatten

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das ebenfalls eine starke Konjunkturlage attestiert, warnte zugleich explizit vor einem Abflauen. Ihm zufolge wird die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal zwar um 0,8 Prozent über dem Vorjahresquartal liegen, mit einem Plus von nur 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal aber deutlich schwächer zulegen als zuletzt, als der Zuwachs 0,7 Prozent betrug.

Die Euro-Schuldenkrise, die während des Wahlkampfs stark in den Hintergrund gerückt war, dürfte bald wieder die Nachrichten bestimmen, begründete das DIW seine zurückhaltende Prognose. Ein neues Hilfspaket für Griechenland oder gar ein zweiter Schuldenschnitt mit Folgen für den deutschen Staatshaushalt würden die Kauflaune der Bundesbürger absehbar mildern.

Grund zu größerer Beunruhigung sieht die GfK aber nicht. Nicht zuletzt, weil sich das Sparen wegen der historisch niedrigen Zinsen derzeit nicht lohne, hielten Verbraucher den Moment für größere Anschaffungen für günstig. Nach der jüngsten Entscheidung der US-Notenbank, an ihrer bisherigen Geldpolitik festzuhalten, sei davon auszugehen, dass das Zinsniveau in der Euro-Zone nicht allzu bald merklich steigen werde, sagt Bürkl. „Wir glauben deshalb daran, dass wir die stabile Entwicklung noch eine Weile fortsetzen können.“

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