Wirtschaft : Kontakte sind das Kapital der Lobbyisten

Berlin - Meist steigen sie oben ein – in die Chefetage oder eine, zwei Hierarchiestufen darunter. Lobbyisten, die aus der Politik in ein Unternehmen oder einen Verband wechseln, werden Vorstand, Geschäftsführer, Präsident, Generalbevollmächtigter. Die Liste der mehr oder weniger prominenten Politiker, die in den vergangenen 20 Jahren die Seiten gewechselt haben, ist lang. Die Organisation Lobbycontrol dokumentiert mehr als 90 Namen. Angefangen beim ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth (CDU), der 1992 Jenoptik-Chef wurde (weitere Posten in der Wirtschaft folgten) bis zu Eckart von Klaeden (CDU), der jüngst vom Kanzleramt zu Daimler wechselte (siehe Grafik).

„Es sind immer gut dotierte Posten“, sagt Lobbycontrol-Geschäftsführer Ulrich Müller. „Die Kontakte der Ex-Politiker sind das Kapital, das sie mitbringen und versilbern.“ Ein Lobbyist im Vorstandsrang – wie er bei der Bahn für Ronald Pofalla (CDU) diskutiert wird – muss dabei nicht die beste Lösung sein. Oft arbeiten Lobbyisten effizienter in der zweiten Reihe. „Viele Unternehmen oder Organisationen wünschen sich keine klingenden Titel, sondern strategisch denkende Köpfe“, sagt Müller. Beispiele sind Kurt Beck (SPD), Ex-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, der heute Berater des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim ist, oder Ex-Regierungssprecher Thomas Steg (parteilos), der als Cheflobbyist bei VW an den Kommunikationschef des Konzerns berichtet. Der SPD-Politiker Rainer Wend leistet der Deutschen Post gute Dienste als Lobbyist – aber nicht als Vorstandsmitglied. mot

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