Wirtschaft : "Konzentration geht weiter"

FRANKFURT (MAIN) (ro/dpa).Die Fusionswelle in der Pharmaindustrie wird nach Ansicht von Bayer-Vorstandschef Manfred Schneider weiterrollen.Im Vergleich etwa zur Autobranche seien die Marktanteile auch der internationalen Chemiekonzerne deutlich niedriger.Daß Bayer Hoechst übernehmen könnte, falls der Frankfurter Konkurrent in Schwierigkeiten kommen sollte, schließt Schneider aber zumindest auf absehbare Zeit aus."In den nächsten fünf Jahren werden wir alleine bleiben", sagte der Manager in Frankfurt.

Der Bayer-Chef erwartet allerdings, daß die Konzentrationswelle in der Pharmabranche weiterrollt.Die Marktanteile der international führenden Unternehmen seien in diesem Sektor deutlich niedriger als zum Beispiel in der Autoindustrie."Zur Entwicklung bahnbrechender Arzneimittel gehört zwar eine kritische Masse, dies ist aber nicht von der Größe, sondern von der Kultur eines Unternehmens abhängig", sagte Schneider.Bayer habe für die kommenden Jahre genügend Neuentwicklungen parat, um profitabel zu bleiben.

Nach Angaben von Schneider will die Bayer AG - ebenso wie BASF - bis 2001 mit ihren Aktien an der Wall Street notiert sein.Dabei geht es den Leverkursenern aber nicht so sehr um frisches Kapital, sondern um das Image.Er habe vier Mrd.DM in der Kasse.Geld sei für Bayer kein Problem, meinte Schneider in Frankfurt.

Im Gegensatz zu anderen Managern, zu vielen Experten und Börsianern sind für Schneider die Folgen der Asienkrise beherrschbar.Die Auswirkungen der Turbulenzen für die chemische Industrie in Deutschland würden weit überschätzt.Für den Bayer- Konzern habe Asien allerdings ohne Japan die gleiche wirtschaftliche Bedeutung wie die Schweiz.Selbst mit Japan erziele Bayer in Asien nur zwölf Prozent seines gesamten Umsatzes.Europa steht für 49 Prozent des Geschäftes, Nordamerika für 26 Prozent.Beide Regionen sind sogar für 90 Prozent des Bayer-Gewinns verantwortlich.

Insgesamt betrachtet Schneider die Asienkrise als "reinigendes Gewitter", durch das viele früher geplante Investitionen jetzt nicht realisiert würden.Wären sie umgesetzt worden, wäre es nach Auffassung des Bayer-Chefs in Asien zu einem mörderischen Wettbewerb gekommen.Jetzt würden die Kapazitäten in einem vernünftigen Maß ausgebaut.

In zwei bis drei Jahren dürfte die Chemieindustrie in Asien die Talsohle durchschritten haben und wieder mit deutlichen Wachstumsraten von sich reden machen.Dann will auch Bayer richtig dabei sein.Deshalb sucht das Unternehmen derzeit verstärkt nach Kooperationspartnern in China.

Nach Meinung Schneiders ist es unverständlich, daß die bislang vorgelegten Halbjahresergebnisse der deutschen Chemie-Unternehmen überwiegend skeptisch bewertet worden seien.Sämtliche Unternehmen hätten zugelegt.Es könnten aber nicht jedes Jahr zweistellige Gewinnzuwächse erzielt werden.Trotz zeitweiliger Eintrübungen sei die deutsche Chemie- und Pharma-Industrie für die nächsten fünf Jahre weiter auf klarem Wachstumskurs.

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