Wirtschaft : Konzentrationswelle: Konzertveranstalter teilen den Markt auf

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Die Konzentrationswelle unter den deutschen Konzertveranstaltern rollt. Der am Neuen Markt notierte Ticketvermarkter CTS Eventim übernahm am Montag die Mehrheit bei der Würzburger Argo Konzerte GmbH, die unter anderem das Nürnberger Openair "Rock im Park" veranstaltet. Erst in der vergangenen Woche hatte die Berliner Deutsche Entertainment AG den Konkurrenten Mama Concerts & Rau geschluckt. Experten rechnen mit weiteren Übernahmen: Der Trend gehe zur Event-Vermarktung aus einer Hand.

"Die Künstlergagen sind extrem in die Höhe geschossen, das kann ein mittelständischer Veranstalter alleine nicht mehr bezahlen", sagte Matthias Frasch, Medienanalyste bei der SGZ Bank in Frankfurt (Main), am Montag. "Die Anbieter müssen die gesamte Wertschöpfung unter einem Dach organisieren - vom Ticket-Verkauf bis zur Rechteverwertung." Die Konzentration auf dem Veranstaltermarkt habe schon in der Vergangenheit dazu geführt, dass sich börsennotierte Anbieter wie Deag und CTS kleine, kreative Konzertagenturen einverleibt hätten. "Das wird so weiter gehen."

Peter Schwenkow, Vorstandschef der Deutschen Entertainment AG, hatte in der vergangenen Woche die Gründung einer international orientierten Holding in der Schweiz bekannt gegeben. Die Deag Global Entertainment Holding AG soll internationale Mehrheitsbeteiligungen an Tournee- und Managementagenturen eingehen und die Expansion der Gruppe, die in diesem Jahr unter anderem die profitablen Teile des Stella-Musicalkonzerns kaufte, vorantreiben. Die Deag peilt für 2001 einen Umsatz von 650 Millionen Mark und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 45 Millionen Mark an.

Deag-Konkurrent CTS hat sich als größter Ticket-Verkäufer hierzulande einen Namen gemacht. Die Gruppe habe im vergangenen Jahr 600 000 Tickets verkauft und mit 20 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 47 Millionen Mark erzielt, teilte die CTS Eventim AG mit. "Mit der Übernahme der Argo Konzert bauen wir unsere Marktführerschaft aus", sagte Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg dem Tagesspiegel. In den vergangenen Monaten kaufte das Unternehmen unter anderem die Konzertveranstalter Marek Lieberberg, Peter Rieger und Semmel Concerts. "Mit dem Kauf dieser Star-Alliance haben wir auf dem europäischen Veranstaltermarkt Fuß gefasst", sagt Schulenberg. Der Konzern will in diesem Jahr den Umsatz von 31 Millionen auf 115 Millionen Mark steigern. "Nach der erstmaligen Konsolidierung der Argo-Akquisition werden wir im Januar 2001 unsere Prognosen für Umsatz und Ergebnis nach oben korrigieren", kündigte Schulenberg an.

Sowohl die Deag als auch CTS - die sich im übrigen erst seit einigen Monaten als Konkurrenten verstehen, zuvor aber beim Kartenverkauf kooperierten - messen sich am amerikanischen Marktführer SFX. Der Veranstaltungskonzern, der 1,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet und ein breit gefächertes Promoter-Netzwerk in den USA unterhält, wurde im Februar für 4,4 Milliarden Dollar vom US-Medienhaus Clear Channnel Communications geschluckt, einem vor allem im Rundfunkgeschäft aktiven Konzern. SFX drängt in den europäischen Veranstaltungsmarkt, hat sich bislang aber auf Großbritannien und Skandinavien konzentriert.

Paroli bieten wollen CTS und Deag den Amerikanern vor allem beim Online-Ticketing, dem Kartenverkauf über das Internet. CTS zählte im ersten Halbjahr 2000 2,5 Millionen Zugriffe auf der Website www.eventim.de. Die Deag bastelt mit dem Axel Springer Verlag und der Lufthansa-Tochter Amadeus an einem Entertainment-Portal, das 2001 ans Netz gehen soll. Experten sagen dem elektronischen Vertrieb und der multimedialen Auswertung von Live-Events eine glänzende Zukunft voraus. Online-Ticketing zählt zu den wenigen profitablen E-Commerce-Bereichen. Infratest Burke schätzt den Anteil am Gesamtkontingent in den nächsten drei Jahren auf etwa 20 Prozent.

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