Wirtschaft : Konzern-Chef Gent hat die Spanische Airtel im Visier

Nach der Einigung mit der Düsseldorfer Mannesmann AG über eine einvernehmliche Übernahme rechnet die amerikanisch-britische Vodafone-Airtouch damit, dass sie bereits in der kommenden Woche die Mehrheit des Mannesmann-Kapitals halten wird. Falls dies am oder vor dem 10. Februar geschehe, will Vodafone am 11. Februar damit beginnen, eine erste Tranche der angedienten Mannesmann-Papiere im Verhältnis von eins zu 58,9646 in neue Vodafone-Aktien zu tauschen, teilte das Unternehmen mit. Mannesmann-Aktionäre, die das Umtauschangebot rechtzeitig annehmen, sollen ihre neuen Vodafone-Anteile an der Londoner Börse bereits vor Ablauf der bis zum 17. Februar verlängerten Angebotsfrist handeln können.

Vodafone teilte mit, sobald mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals von Mannesmann von den Aktionären zum Umtausch in Vodafone-Papiere eingereicht worden seien, werde das Umtauschangebot gültig. Bislang hatte das Unternehmen unter Verweis auf das deutsche Depotbankensystem erklärt, man kenne die Zahl der angedienten Mannesmann-Aktien nicht genau. Die zweite Tranche der neuen Aktien soll nach dem 17. Februar ausgegeben werden.

Vodafone-Chef Chris Gent will sich in dieser Woche zu Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern von Mannesmann in Düsseldorf treffen. "Wir werden uns alle Mühe geben, die Arbeitnehmer von den hervorragenden Chancen des Konzerns zu überzeugen", sagte Gent dem "Spiegel". Bei den zugesagten Arbeitsplatzgarantien werde es "auf jeden Fall" bleiben. Vodafone wolle seine Stellung im Markt "weiter ausbauen und schon bald ganz massiv in das boomende Datengeschäft einsteigen." Dafür brauche man "jeden einzelnen Mann".

Für die Mannesmann-Tochter Orange, den drittgrößten britischen Mobilfunkanbieter, gibt es einem britschen Zeitungsbericht zufolge einen weiteren Interessenten. Die japanische NTT Mobile Communications Network (NTT Docomo) wolle für Orange 35 Milliarden Dollar (rund 69 Milliarden Mark) bieten, berichtet die "Sunday Business". Das Mobilfunk-Unternehmen sei daran interessiert, durch internationale Allianzen eine Gruppe aufzubauen, die es mit dem aus der Fusion von Vodafone und Mannesmann hervorgehenden weltgrößten Telekommunikations-Unternehmen aufnehmen könne.

Mannesmann hatte für alle Orange-Anteile umgerechnet rund 60 Milliarden Mark geboten und hält derzeit mehr als 90 Prozent an der Gesellschaft. Nach der Fusion von Mannesmann und Vodafone muss die Mobilfunktochter Orange aus wettbewerbsrechtlichen Gründen voraussichtlich verkauft werden, da Vodafone in Großbritannien selbst Mobilfunk anbietet. Als Interessenten für die Gesellschaft gelten France Télécom und die niederländische KPN. Auch der US-Telekom-Konzern MCI Worldcom soll an Orange interessiert sein.

Vodafone soll bereits ein neues Ziel ins Visier genommen haben. Die britische Zeitung "The Daily Telegraph" berichtete, Gent strebe nun die Kontrolle über das spanische Telekommunikationsunternehmen Airtel an. Bisher besitzt Vodafone 21,7 Prozent an Airtel, doch bis Ende dieses Monats wolle Vodafone die Beteiligungen einiger spanischer Aktionäre übernehmen.

Die britische Presse hat den Vodafone-Sieg im Übernahmekampf gefeiert. Die konservative "Daily Mail" beschrieb einen "sehr englischen Sieg". Der links orientierte "Independent" schrieb: "Die deutsche Festung ist diese Woche vom globalen Kapitalismus gestürmt worden." Platter Patriotismus sei allerdings nicht angebracht, denn Vodafone sei nicht so sehr ein britisches als vielmehr ein internationales Unternehmen.

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