Konzern in der Krise : Karstadt bleibt hart

Die Warenhauskette hält trotz des Abgangs des Vorstandschefs an ihrem Sanierungskonzept fest. Es bleibt bei den Stellenstreichungen und dem Ausstieg aus der Tarifbindung. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte die Entscheidungen, Handelsexperten aber sehen sie als sinnvoll an.

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In der Kritik. Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen soll mehr investieren, sagen Arbeitnehmervertreter und Lieferanten.
In der Kritik. Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen soll mehr investieren, sagen Arbeitnehmervertreter und Lieferanten.Foto: dpa

Berlin - Die Warenhauskette Karstadt hält trotz des baldigen Abgangs von Vorstandschef Andrew Jennings an ihrem Sanierungskonzept fest. Das teilte das Unternehmen am Donnerstagabend im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in Essen mit. Man werde die Strategie „Karstadt 2015“, die Jennings mit entworfen hatte, „konsequent umsetzen“, hieß es. Sie beinhaltet unter anderem die Modernisierung von Filialen, einen Ausstieg aus dem Multimedia-Geschäft, sowie den Abbau von rund 2000 Stellen.

Zudem dürften die rund 22 000 Beschäftigten der Warenhauskette in dieser Tarifrunde leer ausgehen. „Um die Gesundung des Geschäfts sicherzustellen, braucht Karstadt eine Tarifpause“, bekräftigte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz nach der Aufsichtsratssitzung. Karstadt hatte bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, aus der Tarifbindung auszusteigen. Die Gewerkschaft Verdi monierte die Entscheidung. „Der Weg aus der Tarifbindung ist der falsche, um Karstadt in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, sagte ein Sprecher. Handelsexperte Gerd Hessert, früher selbst Manager bei Karstadt, kritisiert dagegen die Gewerkschaften. „Die Umsätze bei Karstadt sinken weiter, daher ist dies nicht die Zeit für Lohnerhöhungen“, sagte er dem Tagesspiegel.

Zur möglichen Nachfolge von Karstadt-Chef Jennings, der Ende des Jahres abdankt, oder zu geplanten Investitionen durch Eigner Nicolas Berggruen wurde am Donnerstagabend nichts bekannt. Im Vorfeld der Sitzung hatten Verdi und Lieferanten von Karstadt den Milliardär aufgefordert, mehr Geld in das Unternehmen zu stecken. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger erklärte, die Beschäftigten erwarteten zu Recht, dass Berggruen mit eigenen Investitionen die Modernisierung beschleunige.

Hessert, der an der Uni Leipzig Handelsmanagement lehrt, hält die Investitionszurückhaltung Berggruens dagegen für nachvollziehbar. „Karstadt hat ein strukturelles Problem, das auch durch den Umbau noch nicht behoben werden konnte“, sagte er. Zunächst müsse der Umsatzrückgang gestoppt und für Rentabilität gesorgt werden, „sonst sind die Investitionen ohnehin verloren“. Der Experte plädiert zudem für eine härtere Sanierung. Die reguläre Warenhaussparte müsse drastisch verkleinert werden. Von den 83 Karstadt-Häusern (ohne Premium und Sport) hält er nur 38 für „langfristig zukunftsfähig“. Berggruen hatte die Kette 2011 unter dem Dach seiner Holding in drei Einheiten unterteilt. Hessert favorisiert eine komplette Aufspaltung der Kette. „Das wäre ein Weg, weitere Investoren für das Geschäft zu interessieren.“ Langfristig hält er das Modell der Deutschen Warenhaus AG, also einen Zusammenschluss der Konkurrenten Kaufhof und Karstadt, für sinnvoll. Denn auch bei Kaufhof, das anders als Karstadt Gewinn macht, seien „nur 29 der 105 Häuser zukunftsfähig“, hat Hessert in einer Analyse errechnet. Ein Zusammenschluss könne die nötige Konsolidierung bringen. Allerdings, sagt der Experte, ist das zum jetzigen Zeitpunkt unrealistisch. „Karstadt muss erst die Wende schaffen.“ Jahel Mielke

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