Wirtschaft : Konzerne entdecken Sonne und Wind

Vattenfall, GE und Allianz investieren in erneuerbare Energien – bisher tat dies vor allem der Mittelstand

Anselm Waldermann

Berlin - Der Markt für erneuerbare Energien steht vor grundlegenden Änderungen: Mehrere Großkonzerne kündigten am Mittwoch an, verstärkt in das Geschäft einzusteigen. Bisher ist die Branche vor allem mittelständisch geprägt. So prüft der drittgrößte deutsche Stromkonzern Vattenfall Europe den Bau eines Offshore-Windparks in der deutschen Nord- oder Ostsee. 200 Millionen Euro stünden dafür zur Verfügung, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Tagesspiegel. Der US-amerikanische Mischkonzern General Electric (GE) wiederum will seinen Umsatz mit umweltfreundlichen Technologien, zum Beispiel Sonnen- und Windenergie, in den nächsten fünf Jahren auf 15 Milliarden Euro verdoppeln. Und auch der Versicherungskonzern Allianz setzt auf erneuerbare Energien: Das Unternehmen kündigte an, seine Beteiligungen in diesem Bereich um 300 bis 500 Millionen Euro aufzustocken.

Die erneuerbaren Energien verzeichneten schon in den vergangenen Jahren einen enormen Boom – so beträgt ihr Anteil an der deutschen Stromerzeugung mittlerweile rund zehn Prozent. Allerdings waren die großen Konzerne an diesem Wachstum bisher nur wenig beteiligt: Sowohl in der Solar- als auch in der Windindustrie wird der größte Teil der Anlagen von Mittelständlern gebaut und betrieben. Doch das könnte sich bald ändern: Vor wenigen Tagen hatte bereits der Mineralölkonzern Shell angekündigt, das weltweit größte zusammenhängende Solarkraftwerk im bayerischen Pocking zu bauen. Zehn Megawatt (MW) Strom soll die Anlage liefern, das bisher größte Sonnenkraftwerk kam nur auf fünf MW.

Und nun wollen weitere Konzerne folgen. Der von Vattenfall ins Auge gefasste Offshore-Windpark könnte eine Kapazität von bis zu 100 MW haben. Die geplante Investitionssumme würde dafür reichen, erfuhr der Tagesspiegel aus dem Unternehmen. Zum Vergleich: Eine Einzelanlage an Land kommt nach derzeitigem Stand der Technik auf maximal fünf MW. Anders als beispielsweise in Dänemark gibt es in deutschen Gewässern bisher keinen Windpark. „Wir glauben, dass Offshore-Parks einen Beitrag leisten können, um die Windenergie aus einem Subventionsempfänger in eine marktreife Technologie zu verwandeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Berlin.

Diese Ansicht vertritt man offenbar auch bei GE. Bis 2010 wollen die Amerikaner ihre Investitionen für Wind- und Solarenergie, für effizientere Energiegewinnung und für Wasserreinigung auf 1,25 Milliarden Euro verdoppeln, erklärte Konzernchef Jeff Immelt am Mittwoch in Garching bei München.

Die Allianz wiederum möchte sich verstärkt an Firmen beteiligen, die Windkraftanlagen betreiben und herstellen. Dazu sei das eigene Tochterunternehmen Allianz Specialized Investments aufgebaut worden, sagte Vorstand Joachim Faber. In einer gemeinsamen Studie mit der Umweltstiftung WWF kommt die Allianz zu dem Schluss, dass das Risiko von Sachschäden im Versicherungsgeschäft durch den Klimawandel um zwei bis vier Prozent steigt. „Im Interesse unserer Kunden und Aktionäre müssen wir diese Risiken im Blick behalten“, sagte Faber.

Bei Shell verspricht man sich von den erneuerbaren Energien ebenfalls eine große Zukunft: „Früher haben wir gekleckert, jetzt wird geklotzt“, sagte Rainer Winzenried, Konzernsprecher Deutschland, dem Tagesspiegel. Allein im vergangenen Jahr habe Shell 243 Millionen Euro in die erneuerbaren Energien investiert. „Und wir haben noch einiges in der Pipeline.“

Dieses Engagement der Großen könnte allerdings zu Lasten der Kleinen gehen. „Im Weltmaßstab wird es früher oder später zu einem Bereinigungsprozess kommen“, sagte Winzenried. Anstehende technologische Neuerungen seien sehr kapitalintensiv – „da werden einige nicht mithalten können“.

Bei den Mittelständlern der Branche sieht man dies jedoch gelassen. „Wir machen uns keine Sorgen“, sagte Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE). „Wenn nun auch die Großen einsteigen, zeigt das nur, dass man mit den erneuerbaren Energien gute Geschäfte machen kann.“ Mit ihren innovativen Produkten seien die Mittelständler gut auf die Konkurrenz vorbereitet. Schwierig würde es nur, wenn auf der Betreiberseite ausschließlich Große mitspielten. „Dann ließe der Wettbewerb nach und die Strompreise würden steigen“, sagte Lackmann. Bei derzeitiger Rechtslage sei dies aber nicht zu befürchten.

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