Wirtschaft : Konzerne investieren Gewinne nicht

Sönke Iwersen

Düsseldorf - Die von Rekordgewinn zu Rekordgewinn eilenden Ölkonzerne haben die strategischen Chancen der vergangenen Jahre weitgehend ungenutzt gelassen. Sie steckten ihre Profite nicht in den Ausbau der Förderung, sondern in den Kauf eigener Aktien. Allein die fünf weltgrößten Ölkonzerne Exxon-Mobil, BP, Royal Dutch Shell, Chevron und Conoco-Phillips erwarben zwischen 2005 und 2008 eigene Aktien für mehr als 200 Milliarden Dollar. Im selben Zeitraum gaben sie weniger als 40 Milliarden Dollar für die Exploration neuer Quellen aus.

Wirtschaftsexperten werfen den Konzernen deshalb eine eindimensionale Ausrichtung auf die Interessen der Aktionäre vor. „Die Konzerne verdanken den hohen Ölpreisen ungeheure Sondereinnahmen. Und statt diese Profite in den Energiesektor zu investieren, wurden sie zur Stützung des Aktienkurses verwandt“, kritisiert Robert Mabro vom Oxford Institute for Energy Studies.

Aktienrückkäufe sind zwar nichts Ungewöhnliches, erreichen jedoch in der Ölbranche eine neue Qualität. Nach einer Studie des Baker Institute for Public Policy lag bei den fünf größten nichtstaatlichen Ölkonzernen der Welt der Anteil der Aktienrückkäufe an den Gesamtkosten 2007 bei 34 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 1993 war es erst ein Prozent. Gleichzeitig sind die Ausgaben für die Erforschung neuer Ölquellen von 14 auf sechs Prozent der Gesamtkosten gefallen.

Noch knausriger als beim Ausbau ihrer Förderung zeigen sich die Ölkonzerne bei den Investitionen in Zukunftsenergien. Selbst Shell als Pionier in diesem Sektor kann seine Ansprüche nicht mit Zahlen belegen. Zwischen 2003 und 2007 investierte der Konzern eine Milliarde Dollar in erneuerbare Energien. Für den Kauf eigener Aktien gab er im selben Zeitraum mehr als 20-mal so viel aus. iw (HB)

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