Wirtschaft : Konzerne verdienen glänzend

Quartalsgewinne der 30 Dax-Firmen steigen massiv – Mehr Stellen weltweit

Henrik Mortsiefer,Corinna Visser

Berlin - Die größten deutschen Unternehmen haben ihre Gewinne im vergangenen Geschäftsquartal kräftig gesteigert – und die Erwartungen der Analysten zum Teil deutlich übertroffen. Im Vergleich zu den Monaten Juli bis September 2004 lag das rechnerische Plus bei den 30 Dax-Konzernen nach Tagesspiegel-Erhebungen insgesamt bei gut 120 Prozent.

Für den Arbeitsmarkt fällt die Bilanz des Sommer-Quartals hingegen weniger positiv aus: Die Beschäftigtenzahl stieg zwar weltweit, das Plus fiel mit 2,3 Prozent aber deutlich kleiner als bei den Gewinnen nach Steuern aus. Insgesamt beschäftigten die 30 Konzerne Ende September 2005 gut 3,6 Millionen Menschen.

„Die Zwischenberichte sehen sehr gut aus“, sagte Aktienstratege Christian Kahler von der DZ Bank dem Tagesspiegel. Vielfach hätten die Unternehmen – auch angesichts des hohen Ölpreises – „echte Überraschungen“ präsentiert. Im Schnitt hätten die Nettoergebnisse um elf Prozent über den Schätzungen der Analysten gelegen. Auch die Umsätze seien kräftig gestiegen. Im dritten Quartal legten sie um fast acht Prozent zu – einer der stärksten Zuwächse seit dem New-Economy- Boom. Da die Gewinnschätzungen für das kommende Jahr noch vergleichsweise niedrig seien, erwartet Kahler, „dass die Prognosen für 2006 in den nächsten Tagen und Wochen erhöht werden“.

„Die Dax-Firmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und gut verdient – vor allem im Ausland“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dieser Zeitung. Die deutschen Großkonzerne seien offenkundig international noch wettbewerbsfähiger geworden. „Das Jahr 2005 läuft rund“, sagte Hocker. Als Aktionärsvertreter appellierte er an die Dax-Vorstände, die Anteilseigner am Erfolg teilhaben zu lassen: „Die Hälfte der Überschüsse sollte ausgeschüttet werden.“ Zudem müssten sich einige Vorstände überlegen, ob sie hohe Geldbestände nicht unternehmerischer einsetzen könnten.

Die Gewinnentwicklung der Konzerne weicht stark voneinander ab. Außerdem sind Unternehmenskäufe und Verkäufe sowie Sondereffekte in den ausgewiesenen Jahresüberschüssen (-fehlbeträgen) enthalten. Die Zahlen sehen deshalb mitunter besser aus, als das operative Geschäft erlaubt.

Beispiel Telekom: Die Differenz zwischen dem ausgewiesenen Konzernüberschuss von rund 2,4 Milliarden Euro im dritten Quartal 2005 gegenüber einem Konzernfehlbetrag von rund 1,4 Milliarden Euro in der Vorjahresperiode ist besonders eklatant. Die Abweichung ist aber im Wesentlichen eine Folge von Sondereinflüssen. Im dritten Quartal 2004 hat die Telekom zum einen außerplanmäßige Abschreibungen auf Firmenwerte vorgenommen (minus 2,4 Milliarden Euro). Zum anderen hat sie eine Neubewertung ihrer Mobilfunklizenzen in den USA vorgenommen. Beides schlug negativ zu Buche. 2005 war es umgekehrt: Der Verkauf der restlichen Anteile am russischen Mobilfunkbetreiber MTS brachte einen außerordentlichen Ertrag. Bereinigt man das Ergebnis um die Sondereinflüsse, dann fällt die Differenz der Quartalsergebnisse deutlich kleiner aus. Im dritten Quartal 2004 stehen unter dem Strich rund 1,2 Milliarden Euro, in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro.

Auch wenn die Mitarbeiterzahl in den Dax-Firmen weltweit steigt, stehen in Deutschland Kürzungen bevor. Die Telekom will bis 2008 rund 32000 Stellen abbauen. Mercedes kündigte Ende September die Streichung von 8500 Jobs an, um Kosten zu senken. VW will mehrere Tausend Stellen streichen, davon allein mindestens 6300 über Vorruhestand. Die Deutsche Bank hatte trotz eines Rekordgewinns bereits im Februar die Streichung von 1900 Stellen in Deutschland angekündigt. Bei der Siemens-Tochter SBS fallen 2400 Stellen weg, außerdem wird die Logistiksparte zerschlagen, verlustreiche Teile mit rund 5000 Mitarbeitern werden ausgegliedert. Auch die Allianz denkt über die Streichung von Jobs nach.

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