Wirtschaft : Konzerne verdienen so viel wie noch nie

2004 verbuchten die Firmen höhere Gewinne als in den Boomjahren 1998/99– auch die Aussichten für dieses Jahr sind glänzend

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New York/Düsseldorf Die großen börsennotierten Unternehmen haben 2004 so viel verdient wie nie zuvor, 2005 werden sie die Gewinne noch einmal steigern – in Europa um acht, in den USA um durchschnittlich zehn Prozent. Das zeigen übereinstimmend die Schätzungen der Finanzanalysehäuser Thomson Financial, Ibes und JC, die die Prognosen aller großen Investmentbanken auswerten. „Die Unternehmensgewinne werden nicht mehr ganz so schnell steigen wie im vergangenen Jahr, aber das Gesamtbild bleibt äußerst positiv“, sagte Michael Thompson von Thomson Financial in New York.

Die Analystenschätzungen für die Unternehmen im amerikanischen S&P-500- Index deuten auf einen durchschnittlichen Ertragszuwachs von zehn bis elf Prozent für 2005 hin. Das liegt über dem Mittelwert der vergangenen 20 Jahre von neun Prozent. 2004 erlebten die S&P-500-Konzerne einen Gewinnsprung von durchschnittlich 19,1 Prozent. „Das war das höchste Plus seit 1993 und auch von der absoluten Gewinnsumme her haben wir die Boomjahre 1998 und 1999 längst überholt“, sagte Thompson.

Auffällig ist, dass die Unternehmen ihre Schulden stark abgebaut haben. Nach Berechnungen von Tobias Levkovich von der Citigroup betrug die durchschnittliche Verschuldung der S&P-500- Firmen vor fünfzehn Jahren mit 47 Prozent fast die Hälfte ihres Börsenwerts. Inzwischen ist sie auf ein Drittel geschrumpft. Die 50 größten Firmen in Europa dürften 2005 um acht Prozent zulegen, signalisieren die Daten von Ibes. „Die stärksten Zuwächse sind bei Industriegüter- und Automobilfirmen zu erwarten“, sagte Carsten Klude von M.M. Warburg. Dazu gehören Siemens, EADS, MAN, VW und Daimler-Chrysler. Für sie wird mit einem Ergebnisplus zwischen 20 (Siemens) und 90 (VW) Prozent gerechnet. Wachstumseinbußen drohen allein dem Energiesektor.

Europas Unternehmen im Stoxx 50 haben im abgelaufenen Jahr gut 25 Prozent zugelegt. Die Firmen im Deutschen Aktienindex (Dax) haben es nach Schätzungen von Ibes sogar auf mehr als 70 Prozent gebracht. In Europa erwarten die Analysten der großen Investmentbanken vor allem von der Automobilindustrie viel. Denn nach enttäuschenden Zahlen und schlechter Kursentwicklung im abgelaufenen Jahr soll ausgerechnet diese Branche 2005 mit 21 Prozent kräftig wachsen. Nach Berechnungen des französischen Datenspezialisten JCF – dort laufen die Prognosen der Banken zusammen – legen BMW sechs, Daimler-Chrysler 29 und VW sogar 90 Prozent zu. „Das sind sehr optimistische Erwartungen, und es erscheint jetzt mit Blick auf die Enttäuschungen im vergangenen Jahr doch sehr ambitioniert“, sagte Carsten Klude von M.M. Warburg.

Insgesamt hält er die Vorhersagen für die anderen Branchen aber für realistisch. Danach dürften europaweit mit Ausnahme des Energiesektors alle Branchen zulegen. „Mindestens die Hälfte des Zuwachses in Deutschland entfällt aber auf die Umstellung der Bilanzierung auf IFRS“, sagte Klude. Ohne diesen Effekt billigt er den Dax-Unternehmen ein Plus von höchstens zehn Prozent zu. Insbesondere bei der Allianz (Pimco-Akquisition), Bayer (Roche und Aventis Crop Science), der HVB (Bank Austria) und der Deutschen Telekom (Voicestream) steigen die Gewinne im Jahr 2005 deutlich stärker, als es ohne den Wegfall der planmäßigen Goodwill-Abschreibungen der Fall wäre. tmo/som/HB

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