Konzernumbau : Metro ohne Kaufhof

Konzernchef Cordes will Media-Markt/Saturn an die Börse bringen und Kaufhof veräußern – Investoren reagieren skeptisch.

Maren Peters
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Rausgeputzt. Das Haus am Berliner Alex ist eines der modernsten der Kaufhauskette, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehört. -Foto: ddp

Düsseldorf - Der neue Metro-Chef Eckhard Cordes will den Konzern massiv umbauen. Die Elektronikmärkte Mediamarkt und Saturn sollen für einen Börsengang fit gemacht, die Warenhaustochter Galeria Kaufhof sowie 40 Filialen der Supermarktkette Real möglicherweise verkauft werden. Das kündigte der frühere Daimler-Manager Cordes bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Düsseldorf an. Einen Zeitplan nannte er nicht. Angesichts der derzeitigen Situation an den Finanzmärkten sei das auch gar nicht möglich, sagte er.

Die Investoren reagierten skeptisch auf die Pläne. Der Kurs der Metro-Aktie verlor bis zum späten Nachmittag sechs Prozent auf 51,90 Euro und rutschte damit ans Ende des Dax. Dabei hatte der Einzelhandelskonzern Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr erneut deutlich steigern können (siehe Grafik) und auch eine Dividendensteigerung um fünf Prozent auf 1,12 Euro angekündigt. „Ich bin ein bisschen enttäuscht“, kommentierte Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Cordes habe im Wesentlichen zunächst einmal nur Ankündigungen gemacht.

Sollte der Manager diese Ankündigungen wahr machen, liefe das auf eine Zerschlagung des größten deutschen Einzelhandelskonzern hinaus – auch wenn Cordes das gestern dementierte. „Die Metro AG wird als börsengelistetes Dax-30-Unternehmen weiterbestehen, nur mit anderem Portfolio“, sagte der 57-Jährige. „Die Metro wird nicht zerschlagen.“

Es war sein erster großer Auftritt seit dem Machtwechsel Anfang November. Cordes, der auch Chef des Mischkonzerns Haniel ist, hatte das Amt damals von Hans-Joachim Körber übernommen. Das wurde möglich, nachdem Großaktionär Haniel seine Anteile am Metro-Konzern massiv aufgestockt und sich damit entscheidenden Einfluss auf die Konzernstrategie gesichert hatte. Während Cordes’ Vorgänger Körber vor allem das Auslandswachstum vorangetrieben hatte – das internationale Geschäft steuert bereits 60 Prozent zum Umsatz bei –, wird von Cordes erwartet, dass er den Konzern stärker auf Rendite trimmt. Den entsprechenden Ruf hatte er sich in der Zeit bei Daimler erworben.

Sollte Cordes seine Pläne umsetzen, bliebe nicht viel übrig von dem Einzelhandelskonzern. Die Praktiker-Baumärkte waren schon vor zwei Jahren erfolgreich an die Börse gebracht worden, die Extra-Märkte werden bis Anfang Juli an den Konkurrenten Rewe verkauft. Im Kern bestünde Metro dann nur noch aus den ertragsstarken Großmärkten („Cash &- Carry“) – die bereits mehr als die Hälfte zum Gesamtumsatz und Ergebnis beisteuern und künftig noch schneller wachsen sollen – und der Lebensmittelkette Real. Aber auch Real ist ein Wackelkandidat.

Der renditeschwachen Kette, bei der noch immer der Skandal um verdorbenes Hackfleisch nachwirkt, räumte Cordes gestern eine Sanierungsfrist von zwei Jahren ein. „Real ist die Baustelle des Metro-Konzerns“, sagte er. Sollte sich das Geschäft in den nächsten zwei Jahren nicht „deutlich“ verbessern, „werden wir die notwendigen Konsequenzen ziehen“. Für rund 40 der insgesamt 434 Real-Filialen, die sich „deutlich unterdurchschnittlich“ entwickelten, werde schon jetzt nach Lösungen gesucht. Im Idealfall sei das ein Verkauf, kündigte Cordes an.

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass damit auch Arbeitsplätze zur Disposition stehen. „Metro schlägt bei Real einen sehr ambitionierten Sanierungskurs ein“, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß dem Tagesspiegel. Es sei zu befürchten, dass Metro den einfachsten Weg wählen und Personal entlassen werde.

Die angestrebte Trennung von Kaufhof begründete Cordes damit, dass die Warenhäuser für das Wachstum der Gruppe nicht entscheidend seien. „Wir betrachten den Kaufhof deshalb nicht als strategisches Geschäft.“ Die Warenhäuser hatten zuletzt rund fünf Prozent zum Umsatz beigetragen. Konkrete Käufer gebe es noch nicht. Als Kandidat war in Branchenkreisen zuletzt immer wieder Karstadt gehandelt worden. Ein Sprecher des Mutterkonzerns Arcandor wollte das auf Anfrage nicht kommentieren.

Im vergangenen Jahr konnte der Metro-Konzern den Umsatz um zehn Prozent auf rund 65 Milliarden Euro steigern, getrieben vor allem durch gute Geschäften in Osteuropa und Asien. Auch das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg deutlich um 8,8, Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

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