Wirtschaft : Kooperation von Deutscher und Dresdner Bank soll Kosten im Privatkundengeschäft senken

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Zwischen der Deutschen Bank und der Dresdner Bank wird es zu einer "engen Zusammenarbeit" kommen, die zu einer Fusion führen kann. Daraus könnte sich eine grundsätzliche Neustrukturierung des deutschen Bankenmarktes entwickeln. Sollten die Kooperationsgespräche zu einer Fusion führen - was viele Beobachter erwarten - würden die Nummer eins und die Nummer drei der deutschen Finanzinstitute zusammengehen. Es entstünde die größte Bank der Welt mit einer Bilanzsumme von über 1,2 Billionen Euro.

Allerdings wären die Gewichte ungleich verteilt. So erwirtschaftete die Deutsche Bank im vergangenen Jahr mit einem Gewinn von 2,6 Milliarden Euro rund 50 Prozent mehr als 1998. Die Bilanzsumme belief sich auf rund 840 Milliarden Euro. Die Dresdner Bank blieb mit einem Anstieg des Jahresüberschusses um 13 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro hinter ihrem möglichen Partner zurück. Die Bilanzsumme erreichte am 30. September 1999 rund 410 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank ist darüber hinaus im internationalen Geschäft weitaus besser vertreten und hat bei den Internet-Aktivitäten einen erheblichen Vorsprung. Doch für die Deutsche ist vor allem der Kundenstamm der Dresdner interessant.

Doch die deutschen Banken haben im internationalen Vergleich einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil. Der Konkurrenzkampf im Geschäft mit den Millionen Kleinkunden, dem Retailgeschäft, ist außerordentlich hart und erlaubt keine auskömmlichen Margen. Im Gegensatz zu Großbritannien, wo die Institute das Retailgeschäft dank hoher Gebühren rentabel betreiben, bleibt in Deutschland nur die Kostensenkung. Genau diesen Weg versuchen nun Deutsche und Dresdner Bank zu gehen.

Schon Ende des vergangenen Jahres kam eine Studie der BHF-Bank zu dem Ergebnis, dass die Dresdner Bank für das im Inland kaum rentable Privat- und Geschäftskundensegment einen Partner suchen müsse. Gemeinsam sollten Deutsche und Dresdner im Investmentbanking auch den Sprung in die Weltliga schaffen und in einigen Bereichen sogar die US-Banken distanzieren. Bei internationalen Emissionen käme die neue Gruppe, so die Studie, auf einen Marktanteil von knapp zwölf Prozent, bei den in Euro notierten Wertpapieren sogar auf 17 Prozent. Im Bereich Mergers & Aquisition würden die beiden Banken durch das Zusammengehen zumindest die kritische Masse erreichen. Die Synergieeffekte der Fusion berechnete die Studie mit rund zehn Prozent.

Zahlen, die bei der Konkurrenz mit Unbehagen zur Kenntnis genommen werden. Die Commerzbank äußert sich nicht offiziell. Intern gibt man sich aber durchaus selbstbewusst. Bei der HypoVereinsbank, selbst das Ergebnis einer Großfusion, scheint man aufzuatmen, nicht schon wieder ein Zusammengehen bewältigen zu müssen. Die Münchener könnten sich nun auf das Hypothekengeschäft konzentrieren. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband will sich erst äußern, wenn Einzelheiten bekannt seien.

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