Wirtschaft : Kopieren geht über Studieren Produktpiraterie kostet 70 000 Arbeitsplätze

Christoph Giesen

Berlin - Mit einem branchenübergreifenden Internetportal will die deutsche Wirtschaft Hersteller und Verbraucher stärker über die Folgen von Marken- und Produktpiraterie informieren. „Produktpiraterie ist das Verbrechen des 21. Jahrhunderts“, sagte Manfred Gentz, Präsident der Internationalen Handelskammer (IIC) in Deutschland, am Mittwoch in Berlin. „Durch Fälschungen entsteht jährlich ein Schaden von 600 Milliarden Euro“, sagte Gentz, früher Finanzvorstand bei Daimler-Chrysler. Die deutschen Wirtschaft habe jährlich mit Einbußen von 20 bis 30 Milliarden Euro zu kämpfen, schätzte Axel Nitschke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK. „Das entspricht dem Verlust von 70 000 Arbeitsplätzen“, sagte Nitschke.

Neben dem finanziellen Schaden können gefälschte Produkte auch gesundheitliche Gefahren verursachen. Gefälschte Kleidungsstücke werden häufig aus billigen oder chemisch behandelten Stoffen genäht, wodurch es zu Hautreizungen kommen kann.Weitaus gefährlicher sind Fälschungen von Medikamenten. Im westafrikanischen Nigeria seien bis zu 50 Prozent aller erhältlichen Arzneien gefälscht, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). Häufig fehlten Inhaltsstoffe oder sie seien in falschen Dosierungen beigemischt. „Durch das Internet kommen diese schlechten Kopien auch problemlos zu uns“, warnte die Ministerin.

Ob DVDs, Nobeluhren oder ganze Autos – viele Experten sind sich einig: Am eifrigsten wird in China abgekupfert. Deshalb hofft Zypries, in den nächsten Wochen den Rechtsstaatsdialog mit chinesischen Anwälten und Regierungsvertretern wieder aufnehmen zu können. Ein geplantes Treffen diese Woche in München wurde kurzfristig wegen des Besuchs des Dalai Lama von der chinesischen Seite abgesagt. Christoph Giesen

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