Wirtschaft : Kopper fühlt sich mißverstanden

Deutsche Bank nur als "Berater" im Fall Krupp/Thyssen / 1996 Rekordgewinn FRANKFURT (MAIN) (ro).Die Oberen der Deutschen Bank fühlen sich mißverstanden, zu Unrecht kritisiert und fälschlicherweise in die Ecke gestellt.Deutsche Bank-Vorstandssprecher Hilmar Kopper wies am Mittwoch alle Vorwürfe wegen des Falls Thyssen/Krupp zurück."Wir waren nur Berater, so wie wir fünf Millionen Kunden in Deutschland jeden Tag beraten", meinte Kopper am Rande der Bilanzpressekonferenz.Man habe das Konzept für die Übernahme von Thyssen durch Krupp nicht ausgearbeitet, sondern nur begleitet."Die Deutsche Bank macht keine Industriepolitik.Sie berät nur auf Sachgebieten, von denen sie etwas versteht." Im vergangenen Jahr hat die Bank mit 5,81 Mrd.DM - ein Zuwachs von 37 Prozent - das beste Betriebsergebnis ihrer Geschichte erreicht, der Jahresüberschuß liegt jedoch mit 2,22 Mrd.DM (plus 4,6 Prozent) unter dem Rekordwert von 1993.Hauptgrund: Die größte deutsche Bank hat 1996 wieder kräftig Steuern gezahlt.Rechnet man noch die bereits jetzt aus der Bilanz 1996 erkennbaren Steuern dazu, die in Zukunft gezahlt werden müssen, erhöht sich der Betrag sogar auf 2,67 Mrd.DM. Die Rücknahme der Übernahmeofferte durch Krupp, so Vorstandssprecher Kopper, "ist für uns keine Schlappe".Das Geschäft habe einfach nicht stattgefunden.Allerdings beklagt Kopper, daß es nicht aus ökonomischen, sondern aus "politischen" Gründen gescheitert sei.Der mächtigste Banker der Republik sieht auch nichts Verwerfliches daran, daß ein wirtschaftlich schwächerer einen stärkeren Konzern übernehmen will."Warum nicht? Wenn das Konzept stimmt.Oder wollen Sie Arminia Bielefeld vorwerfen, daß sie Bayern München schlagen?" Einen Imageschaden für sein Haus erkennt Kopper durch den Fall Thyssen/Krupp ebenfalls nicht.Kritik an der Finanzberatung habe es nicht gegeben.Und die gesellschaftspolitische Kritik laufe ins Leere, weil die Bank eben nur Beratung, aber keine Industriepolitik mache.Wenn trotzdem aufgrund von "sachlich unberechtigter" Kritik das Ansehen der Bank angekratzt sei, könne man wenig tun."Da sind wir machtlos." Der Imageschaden zumindest in Finanzkreisen wäre indes größer gewesen, wenn die Bank das Krupp-Mandat nicht wahrgenommen hätte."Dann hätten viele gefragt, wieso gerade die Deutsche Bank bei einer solchen Transaktion nicht dabei ist." Kopper zeigte sich auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz - er übergibt die Führung nach der Hauptversammlung am 21.Mai an Rolf Breuer - mit dem Geschäftsjahr 1996 zufrieden.Es sei im ganzen gut, wenn auch nicht immer problemlos verlaufen, meinte er in Anspielung auf die Belastungen in Höhe von insgesamt 1,65 Mrd.DM aus dem Skandal bei der Investmenttochter Morgan Grenfell und der Beinahe-Pleite bei KHD.Dennoch ist Kopper hochzufrieden mit der Investmentbank-Tochter, der Aufbau der Deutschen Morgan Grenfell sei gelungen.Das Investmentbanking sei die Zukunftssicherung der Bank.Kopper will aber keineswegs das Geschäft im Inland vernachlässigen."Man muß im Heimatmarkt am allerstärksten sein, um auch draußen Erfolg zu haben." Dabei hat die Bank ihre führende Position gefestigt.Der Abstand zur Konkurrenz ist noch größer geworden.1995 und 1995 kletterte das Betriebsergebnis um insgesamt 2,2 Mrd.DM."Allein dieser Zuwachs ist deutlich höher als das Betriebsergebnis 1996 einiger anderer deutscher Großbanken", sagte Kopper. Mit der Kostenstruktur im Inlandsgeschäft ist der Vorstand noch nicht zufrieden; 1997 werden erneut etliche Stellen gestrichen.Dann aber soll dieser Prozeß abgeschlossen sein.1996 Jahr hat die Bank im Inland 2300 Arbeitsplätze gestrichen und beschäftigt jetzt noch 49 670 Mitarbeiter.Weil aber im Ausland 2400 Jobs geschaffen wurden, standen Ende 1996 weltweit bei der Deutschen Bank mit knapp 74 400 gut 100 Personen mehr auf der Gehaltsliste. Erstmals legte das größte Geldhaus Europas eine Übersicht über die Ergebnisse der einzelnen Geschäftsbereiche vor: Im Geschäft mit Privatkunden lag das Betriebsergebnis bei knapp 1,8 Mrd.DM, im Firmenkundengeschäft blieben 2,45 Mrd.DM übrig und das Investmentbanking brachte 896 Mill.DM.Bei einer Bilanzsumme von 886 Mrd.DM (plus 23 Prozent) ist Deutschland nach wie vor das wichtigste Standbein der Bank.Die Bilanzsumme hier beläuft sich auf 474 Mrd.DM, der Bruttoertrag auf 15,5 Mrd.DM.Während der Zinsüberschuß aufgrund des Dividendenausfalls bei Daimler-Benz und Holzmann, wo die Bank jeweils mit über 20 Prozent dabei ist, um 2,5 Prozent auf 10,5 Mrd.DM abrutschte, waren der Provisionsüberschuß mit 6,9 Mrd.DM (plus 22 Prozent) und der Eigenhandel mit 3,2 Mrd.DM (plus 58,5 Prozent) wichtige Stützen des Geschäfts.Der Jahresüberschuß vor Steuern erhöhte sich aber auch wegen einer deutlich geringeren Risikovorsorge um 37 Prozent auf 4,9 Mrd.DM.Für 1997 erwartet Kopper ein höheres Ergebnis und damit ein neues Rekordjahr.

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