Wirtschaft : Koreaner drängen in den Solarmarkt

LG macht es deutschen Anbietern noch schwerer, ihre Probleme zu meistern

Georg Weishaupt (HB)

Düsseldorf – Preisverfall, Überkapazitäten, rote Zahlen – viele deutsche Solarunternehmen kämpfen ums Überleben. Von solchen Turbulenzen lässt sich Michael Harre nicht abschrecken. „Wir wollen unter die Top Ten der Solarbranche im Weltmarkt aufsteigen“, sagte der Europachef von LG Solar in Willich bei Düsseldorf dem „Handelsblatt“. Der koreanische Elektronikkonzern will alles aus einer Hand anbieten: vom Rohstoff Silizium über die Zelle bis zum fertigen Solarmodul. „Bis zum Jahr 2013 bauen wir eine vollintegrierte Fertigung mit einer Jahreskapazität von einem Gigawatt auf.“

LG stieg erst im vergangenen Jahr offiziell in die Produktion von Solarmodulen ein. Die Fertigungskapazität liegt bisher nur bei 330 Megawatt. Im kommenden Jahr will der Konzern die Fertigung im koreanischen Werk auf 500 MW hochfahren. Chinesische Topunternehmen wie der Marktführer Suntech betreiben dagegen bereits Fabriken mit einer Gesamtkapazität von mehr als zwei Gigawatt.

Allerdings hat der koreanische Konzern LG Electronics, der im vergangenen Jahr mit mehr als 93 000 Mitarbeitern einen Gesamtumsatz von umgerechnet 35 Milliarden Euro erreichte, einen langen Atem und vertraut auf seine Erfahrungen im weltweiten Massengeschäft mit Handys und Farbfernsehern. Die Konzerntochter LG Chemical baut gerade eine Siliziumproduktion mit einer Jahreskapazität von 5000 Tonnen auf, was reicht, um Solarmodule mit einer Leistung von 700 Megawatt zu fertigen. Und LG Siltron produziert bereits das Vorprodukt Wafer für die Halbleiterproduktion. „Wir erreichen mit einer vollintegrierten Fertigung eine wesentlich bessere Kostenbasis“, erklärte Harre die Entscheidung, die gesamte vertikale Fertigungskette aufzubauen. Denn bei der Silizium- und der Waferproduktion ist die Marge viel höher als bei Zellen und Modulen.

Das bekommen derzeit viele deutsche Unternehmen wie Conergy, Solon und Q-Cells zu spüren, die mit Sparprogrammen ums Überleben kämpfen. Überwiegend haben sie sich auf Teilschritte der Fertigungskette konzentriert. Die Preise für Solarmodule sanken aber alleine seit Jahresanfang um rund ein Drittel. Mit dem Einstieg von finanzstarken und forschungsintensiven Schwergewichten wie LG oder auch Samsung wird es für die deutschen Anbieter noch schwerer, zu überleben. Georg Weishaupt (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben