Wirtschaft : Korrektur statt Crash an den Börsen

Veronica Csizi

Der April war turbulent, aber die vorausgesagte Talfahrt der Kurse ist ausgebliebenVeronica Csizi

Es war der wohl stürmischste Börsenmonat seit langem: Im April schlingerte selbst der sonst eher geruhsame Dax wild hin und her. Monatelang auf einer steil ansteigenden Einbahnstraße unterwegs, drehte der Index zuletzt im Kreisverkehr. Per Saldo verblieb in der Monatsbilanz ein moderates Minus von etwas mehr als drei Prozent.

Mit einem Paukenschlag hatte der Monat begonnen: Nicht einmal vier Wochen nach ihrer Ankündigung blies die Dresdner Bank die Fusion mit der Deutschen Bank wieder ab. Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten über die Zukunft der Londoner Investmenttochter Dresdner Kleinwort Benson, lautete die offizielle Begründung. Inoffiziell sickerten Ränkespiele zwischen Deutsche-Bank-Chef Breuer und dem Chef seiner Londoner Tochter Deutsche Morgan Grenfell durch. Die beiden deutschen Großbanken standen vor einem Scherbenhaufen. Doch die Märkte atmeten auf: Gegen den Trend stiegen die Kurse stark an. Der Grund dafür liegt vor allem bei der Deutschen Bank auf der Hand: Im Zuge der Fusion sollte die Allianz - Großaktionärin bei beiden Häusern - mit der Deutschen Bank 24 und der Fondstochter DWS zwei Perlen erhalten. Sie bleiben nun bei Deutschlands größtem Geldhaus. Die Allianz ließen die Anleger folgerichtig fallen: Binnen weniger Minuten sackte der Kurs um 13,86 Prozent ab. Zum Ende des Monats ist dies jedoch fast wieder gutgemacht: Deutschlands größter Versicherer schloss den Monat bis Freitagnachmittag mit einem Kursverlust von 3,4 Prozent. Von den Banktiteln konnte nur die Deutsche im Monatsverlauf nachhaltig zulegen: Sie stieg um 6,65 Prozent.

Die gescheiterte Fusion rückte indes die Commerzbank ins Rampenlicht: Dementis über Dementis, mal über eine Fusion mit der HypoVereinsbank, mal über eine "Zusammenarbeit" mit der Dresdner, dann über den Einstieg der niederländischen ABN Amro oder der Allfinanzgruppe ING, gaben dem Kurs immer wieder Feuer. Per Saldo können die Anteilseigner mit einem fast sechsprozentigen Kursplus zufrieden sein.

Die große Branchenrotation blieb aus

Dem großen Bruder Dow Jones folgend tendierten dagegen die meisten anderen Standardwerte im April leichter. Von einem Favoritenwechsel und größeren Umschichtungen aus den vier Dax-High-Techs Siemens, SAP, Epcos und Deutsche Telekom in die "Old Economy" kann also keine Rede sein. Zwar warfen die Anleger Techno-Titel in Mengen aus ihren Depots. Bei Lufthansa, Thyssen, Preussag, Linde, MAN, Degussa oder den Konsumwerten eingekauft haben sie aber trotzdem nicht in größerem Ausmaß: Kein Papier kam nachhaltig von der Stelle. Ein Gutteil der "Old Economy" musste sogar weiter Federn lassen. Vor allem die Exportbranchen Auto und Chemie konnten - bisher - kaum von den für sie eigentlich positiven Tiefstkursen des Euro profitieren. Trotz eines glänzenden Quartalsergebnisses schaffte die BASF den Sprung über die 49,60 Euro vom Monatsbeginn nicht.

Echte Freude machten in den letzten vier Wochen nur zwei Dax-Papiere: Adidas-Salomon, die Platz eins im Monatsvergleich belegten, und Schering (Platz zwei). Der Sportartikler kletterte ohne größeren nachrichtlichen Hintergrund um fast 23 Prozent und kratzte an seiner 200-Tage-Linie. Wer das Papier allerdings schon seit zwei Jahren im Depot hat, konnte sich darüber nur bedingt freuen, schließlich ist Adidas aus ganz anderen Kursregionen abgestürzt.

Mit guten Nachrichten im Rücken stieg dagegen Schering gegen den Konsolidierungs-Trend den April über kontinuierlich an, durchbrach sogar sein bisheriges Allzeithoch nach oben. Die April-Bilanz: Plus 12,8 Prozent. So beflügelten die guten Absatzzahlen des Medikaments Betaferon und vor allem die Ankündigung, drei Biotechnologie-Töchter an die Börse zu bringen.

Den Technologie- und Telekom-Werten im Dax brach zunächst der Nasdaq-Absturz das Kreuz. Der US-High-Tech-Index verlor zeitweise im Monatsvergleich über 35 Prozent. Schwächeanfälle setzten vor allem der Telekom zu - auch, weil der Börsengang der Internet-Tochter T-Online zu floppen drohte. Die niedrig angesetzte Preisspanne ließ das Dax-Schwergewicht am 3. April gleich um zehn Prozent abstürzen, in der Folge verlor das Papier weiter, weil Anleger offenbar Liquidität zur Zeichnung von T-Online schaffen wollten. Selbst ordentliche Quartalszahlen konnten einen Monatsverlust von 14,5 Prozent nicht verhindern.

SAP-Verlust vergrault die Anleger

Übel aufgestoßen ist den Anlegern auch der Quartalsbericht von SAP. Kurz vor Ostern meldete der Software-Konzern einen Verlust von 111 Millionen Euro im ersten Quartal - hauptsächlich wegen der hohen Kosten für das Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm Star. Von 752 Euro zu Monatsbeginn sackte das Papier bis auf 600 Euro hinunter, erholte sich jedoch bis Monatsende, vor allem, weil Analysten für den Jahresverlauf optimistisch bleiben. Es verblieb ein Verlust von 14,5 Prozent. Siemens und Epcos dagegen blicken auf eine positive April-Bilanz zurück. Die jüngste Siemens-Halbjahresbilanz sorgte für deutlich festere Kurse. Der Konzern verdoppelte seinen Halbjahresgewinn selbst ohne die außerordentlichen Erträge aus dem Börsengang der Halbleiter-Tochter Infineon.

Die Zinserhöhung in Europa nagte zum Monatsende nur zeitweilig an den Kursen. Der Dax präsentierte sich zum April-Finale fest. Es mehren sich die Anzeichen, dass die Korrektur in der Technologie vor ihrem Ende steht.

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