Korruption : Ex-Siemens-Chef Pierer angeblich schwer belastet

Im Korruptionsskandal bei Siemens gerät der ehemalige Unternehmenschef Heinrich von Pierer unter Druck. Ein Manager des Technologiekonzerns will von ihm zu Schmiergeldzahlungen angehalten worden sein. Der Beschuldigte dementiert.

MünchenNeue Wende im Korruptionsfall Siemens: Der Münchner Staatsanwaltschaft liegen nach übereinstimmenden Medienberichten schwere Anschuldigungen gegen Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer vor. Ein Siemens-Manager habe ausgesagt, Pierer habe ihn und einen Kollegen zu fragwürdigen Provisionszahlungen aufgefordert. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung"  und "Spiegel online".

Knapp anderthalb Jahre nach Beginn der Schmiergeldaffäre bei Siemens stünde Pierer damit erstmals selbst im Verdacht, in kriminelle Machenschaften verwickelt zu sein.



Bei dem Geschäft soll es sich

um ein Großprojekt von Siemens in Argentinien gehandelt haben. Im Auftrag der argentinischen Regierung sollte der Konzern dort ein System für elektronisch lesbare Pässe aufbauen. Der Münchner Staatsanwaltschaft liegen angeblich Hinweise vor, dass für diesen Auftrag Schmiergeld an Regierungsvertreter geflossen sein könnte. Der Auftrag sei nach einem Regierungswechsel  in Argentinien im Jahr 1999 wieder storniert worden. Mittelsmänner der neuen Regierung sollen von Siemens daraufhin weitere Provisionszahlungen gefordert haben.

Manager als "Soldaten von Siemens"?



Um eine solche zusätzliche Zahlung soll es bei dem Vorgang in den Jahren 2002 und 2003 gegangen sein, über den der Siemens-Manager jetzt der Staatsanwaltschaft berichtet habe. Der Manager will sich gegen die Zahlung gewehrt haben und sei zusammen mit einem Kollegen bei Pierer gewesen. Pierer habe, so der Manager, ihn und seinen Kollegen angehalten, die Zahlung vorzunehmen. In diesem Zusammenhang habe Pierer damals gesagt, sie müssten sich jetzt wie "Soldaten von Siemens" verhalten. Später seien zehn Millionen Dollar an eine Beraterfirma in der Schweiz gezahlt worden.

Nach Angaben des Leiters der Staatsanwaltschaft, Christian Schmidt-Sommerfeld, fand am Freitag ein Gespräch der Strafverfolger mit Pierer statt. Das Gespräch, zu dem es auf Wunsch Pierers gekommen sei, werde am Montag fortgesetzt. Die Frage, ob gegen den Ex-Konzernchef ermittelt werde, ließ Schmidt-Sommerfeld unbeantwortet. Pierer teilte der "Süddeutschen" über seinen Anwalt mit, er habe die beiden Manager damals nicht "angewiesen, diese sollten sich jetzt wie 'Soldaten von Siemens' verhalten und den Auftrag ausführen". (sf/ddp)

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