Wirtschaft : Korruptionsexperten fordern mehr Ermittler

-

Berlin - Die weltweit gegen Korruption arbeitende Organisation Transparency International erwartet, dass Siemens künftig nicht mehr kooperierendes Mitglied der Organisation sein wird. „Wir gehen davon aus, dass die Mitgliedschaft am 15. Dezember beendet wird“, sagte Hansjörg Elshorst, der Vorsitzende von Transparency International Deutschland, am Rande einer gemeinsamen Konferenz der Organisation mit der Friedrich- Ebert-Stiftung in Berlin. Unklar sei lediglich, ob Siemens austrete oder ausgeschlossen werde. Die Korruptionsvorwürfe gegen Siemens schadeten auch der deutschen Wirtschaft im Ausland. Transparency erwarte von Siemens eine offensive Öffentlichkeitsarbeit, personelle Konsequenzen und eine Überprüfung der Kontrollstrukturen im Unternehmen. „Hier ist sicher auch eine professionelle Beratung von außen nötig“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Sylvia Schenk, „das können wir nur empfehlen.“

Gemeinsam mit rund 30 Staatsanwälten aus ganz Deutschland fordert Transparency eine bessere personelle Ausstattung der Strafverfolgung, um Korruption besser bekämpfen zu können. „Das Vertrauen in den Rechtsstaat sowie die Glaubwürdigkeit staatlichen Handelns werden auch von der Durchschlagkraft unserer Justiz mitbestimmt“, meinen die Staatsanwälte und Transparency. „Selbst wo die Strafverfolgung fündig geworden ist, führen fehlende Ressourcen zu unangemessen milden Urteilen.“ Durch die Abschöpfung von unrechtmäßig erlangten Vorteilen flössen dem Staat Einnahmen zu, die die Mehrkosten bei der Strafverfolgung häufig überstiegen.

Zur effektiveren Bekämpfung von Korruption fordert Transparency unter anderem die Einführung von Telefonüberwachung und Kronzeugenregelung. Ärzte sollten strafrechtlich belangt werden können, die ungerechtfertigte Vorteile von Pharmafirmen annehmen und ihre Verschreibungen darauf ausrichten. Zudem forderten die Experten, dass auch Unternehmen strafrechtlich verfolgt werden können, wenn sie Korruption zulassen. Bisher ist das in Deutschland nicht möglich. vis

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben