Kostenexplosion : Münchner Transrapid wird nicht gebaut

Aus für das Prestige-Projekt: Noch im vergangenen Jahr hatte Edmund Stoiber stolz die Einigung über den Bau des Transrapids verkündet - doch jetzt muss die bayerische Landeshauptstadt weiter ohne die Magnetschwebebahn auskommen. Die Baukosten liegen fast doppelt so hoch wie ursprünglich angenommen.

Transrapid
Der Transrapid sollte zwischen Münchner Flughafen und Innenstadt fahren. -Grafik:ddp

Die Transrapid-Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen wird nicht gebaut. Das teilte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee am Donnerstag nach einem Treffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein und führenden Industrievertretern in Berlin mit. Der Grund: Das Transrapid-Projekt in München wird viel teurer als angenommen.

Bisher waren auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2002 lediglich Kosten in Höhe von 1,85 Milliarden Euro veranschlagt worden. Dieser Betrag wird nach den jüngsten Berechnungen aber in einem erheblichen Maß überschritten: Die beteiligten Unternehmen unter Führung von Siemens und Thyssen haben ihre Kalkulation auf 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro erhöht. Der Bund hatte sich zuletzt bereiterklärt, die Hälfte der Baukosten zu übernehmen, maximal aber 925 Millionen Euro. Das Land Bayern hatte seine Beteiligung zuletzt auf 500 Millionen Euro begrenzt.

Die Deutsche Bahn bedauerte das Scheitern des Transrapid-Projekts in München. "Der Standort Deutschland hat damit ein wichtiges Leuchtturmprojekt verloren", erklärte Bahnchef Hartmut Mehdorn. Die technische Fähigkeit der Magnetschwebebahn, den Flughafen und den Hauptbahnhof der bayerischen Landeshauptstadt in zehn Minuten zu verbinden, wäre eine einzigartige Lösung gewesen. Mit klassischem S-Bahn-Betrieb werde keine gleichwertige Ersatzlösung in absehbarer Zeit möglich sein, sagte Mehdorn.

Prestige-Projekt der CSU-Staatsregierung

Der Transrapid gilt als Prestige-Projekt der CSU-Staatsregierung. Noch im vergangenen Jahr hatte die bayerische Landesregierung unter dem damals scheidenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) eine Einigung über den Bau der Magnetschwebebahn verkündet. Schon damals hatten aber Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesverkehrsminister Tiefensee ihre Vorbehalte deutlich gemacht.

Sie wiesen schon damals darauf hin, dass die veranschlagten Baukosten für die Bahn deutlich höher liegen dürften als geplant. Auch Grüne, Naturschützer und andere Kritiker des Vorhabens hatten schon früh Zweifel geäußert, ob der ursprüngliche Kostenplan einzuhalten sei. Sie hatten das Projekt von Anfang an als überflüssig und zu teuer eingestuft.

"Dass der Transrapid wesentlich teurer wird als die offizielle Zahl von 1,85 Milliarden Euro, war schon lange offensichtlich", betonte die Grünen-Landesvorsitzende Theresa Schopper. "Nur die CSU wollte das nicht wahrhaben und hielt unverdrossen an dem schwebenden Unsinn Transrapid fest." Nun kämen endlich realistische Zahlen für das Lieblingsprojekt von Edmund Stoiber und des CSU-Chefs Erwin Huber auf den Tisch, hieß es weiter in Schoppers Mitteilung.

SPD: CSU bis auf die Knochen blamiert

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion sieht im Aus für das Münchner Transrapid-Projekt "die größte denkbare Schlappe" für die CSU und die Landesregierung. Die CSU habe gegen alle wirtschaftliche Vernunft und gegen den Bürgerwillen versucht, ihr politisches Prestigeprojekt durchzusetzen, kritisierte der SPD-Fraktionsvorsitzende Franz Maget in München.

"Das katastrophale Tandem Günther Beckstein und Erwin Huber ist bis auf die Knochen blamiert. Schlimmer kann es eigentlich nicht kommen", so Maget. Damit trügen Ministerpräsident Beckstein (CSU), sein Vorgänger Edmund Stoiber und CSU-Chef Huber auch die Verantwortung dafür, dass Millionen Euro Steuergelder für die Vorbereitung des Transrapid-Projekts verschleudert worden seien.

Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) begrüßte das Aus für den umstrittenen Transrapid zwischen Hauptbahnhof und Flughafen. Dies sei eine Riesenohrfeige für die CSU, sagte Ude dem Bayerischen Rundfunk (BR). (jam/dpa/ddp/AFP)

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