Wirtschaft : Kostenschub bei Pillen erwartet Plus bei Kassenausgaben erhöht Druck auf Beiträge

Berlin - Die Pharmaindustrie rechnet damit, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel auch im kommenden Jahr kräftig steigen. Für 2008 sei ein Anstieg um 2,2 Milliarden Euro oder 7,9 Prozent auf rund 28,9 Milliarden Euro zu erwarten, heißt es in einer Prognose des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Bei Einbeziehung der Impfstoffe würden die Ausgaben der Krankenkassen 2008 sogar die 30-Milliarden-Grenze überschreiten, prophezeit Bertram Häussler vom Berliner Forschungsinstitut Iges, der Autor der VFA-Prognose.

Der drastische Ausgabenanstieg bei Medikamenten erhöht den Druck auf die Krankenkassenbeiträge. Schon im ersten Halbjahr waren die Arzneimittelausgaben um 5,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen, das lag auch an der Mehrwertsteuererhöhung. Unter dem Strich schrieben die Kassen aber insgesamt schwarze Zahlen – wegen der guten Konjunktur und massiver Beitragserhöhungen zu Jahresbeginn. Wenn die Arzneimittelausgaben weiter kräftig steigen und die Kassen sich vor dem Start des Gesundheitsfonds gut positionieren, könnte das Beitragserhöhungen wahrscheinlicher machen, wie Verbraucherschützer und die FDP erwarten. Derzeit liegt der durchschnittliche Kassenbeitrag bei 14,8 Prozent.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK) entspricht der für 2008 erwartete Anstieg der Arzneimittelausgaben um 2,2 Milliarden Euro 0,2 Beitragssatzpunkten. Trotzdem hält sich der Verband, der federführend für die Kassen das Thema Arzneimittel betreut, mit einer klaren Aussage zur Beitragsentwicklung noch zurück. „Derzeit gehen wir davon aus, dass die Beiträge 2008 tendenziell stabil bleiben“, sagte BKK-Sprecher Florian Lanz.

Die größten Ausgabenschübe prognostiziert der VFA bei den Fertigarzneimitteln – das sind alle Produkte in Schachteln – sowie Impfstoffen, die in zunehmendem Maße von den Kassen als Regelleistung ersetzt würden. Auch Medikamente, die präventiv gegen Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck angewandt werden, treiben die Kosten nach VFA-Angaben. Die Industrie kündigte für 2008 zudem Preiserhöhungen bei patentgeschützten Mitteln an. pet

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