Wirtschaft : Kostenvorteil Marienfelde

Motor für den "Smart" läuft in Berlin vom Band / Haustarifvertrag hat überzeugt BERLIN (-olm).Mit einem Knopfdruck startete Berlins Wirtschaftssenator Elmar Pieroth am Freitag im Daimler-Benz-Werk in Marienfelde die Produktion des Motors für das neue zweisitzige Stadtauto "smart".Wie Manfred Remmel, Bereichsvorstand der Daimler-Benz AG und zuständig für Pkw-Produktion zur Einweihung der Bandstraße sagte, habe vor allem die günstige Kostensituation den Ausschlag für den Standort in Marienfelde gegeben.Kernpunkt der Kalkulation ist eine weitreichende Vereinbarung mit dem Betriebsrat, für die sich Remmel ausdrücklich bedankte.In einem größeren Werk wären die ausgehandelten Kompromisse, die von niedrigeren Eingangslöhnen, über personalintensive Gruppenarbeit bis hin zu flexiblen Arbeitszeiten reichen, wesentlich schwerer durchzusetzen gewesen.Da bei geringer Auslastung des Werkes nun im Ernstfall auch weniger verdient wird, habe der Betriebsrat nach Auskunft seines Vorsitzenden Kurt Krause dem Vertrag mit einem lachenenden und einem weinenden Auge zugestimmt.Ausschlaggebend sei zum Schluß die Sicherheit der Arbeitsplätze weit über das Jahr 2000 hinaus und die verabredete Linie von durchschnittlich 2500 Beschäftigten für das gesamte Werk gewesen.Für die smart-Produktion allein werden 300 Arbeitsplätze benötigt.Die Produktpalette wird ergänzt durch Komponenten, Motorenteile sowie Spezialmotoren. Nach Auskunft des Werkleiters Hans Heinrich Weingarten wird "smart" die Bilanz des Unternehmens kräftig verändern.Schon in drei Jahren soll sich der Umsatz von heute 660 Mill.DM verdoppeln.Der "smart"-Motor wird dann 50 Prozent des erwirtschafteten Umsatzes ausmachen.Im gleichen Zeitraum soll der Umsatz mit externen Kunden um das Vierfache steigen.Damit will sich das Unternehmen als Systemlieferant am freien Markt etablieren. Herzstück aber bleibt der "smart"-Motor.Geplant ist, je nach Absatz des neuen Autos in der Endausbaustufe jährlich 200 000 Stück vom Band laufen zu lassen, die auf direktem Wege zum Produktionsstandort in das französische Werk in Hambach (Lothringen) geliefert werden.Die Serienfertigung des neuen Stadtwagens, der ohne Mercedes-Stern und Daimlerinsignien auf den Markt kommt, soll im Oktober starten.Um die Produktion für die 2000 Mitarbeiter im Hambacher Werk zu garantieren, werden in Berlin täglich drei bis vier Lkw mit je 250 Motoren auf die Reise geschickt.Wie Remmel betonte, habe die Bahn keine zufriedenstellende Logistik anbieten können. Da die flache Fertigungstiefe des neuen Leichtbaumotors aus Aluminum, Stahl und Kunststoff auf Hilfe von außen angewiesen ist, erhält die optimale Zulieferung im Kostenmanagement besondere Bedeutung.Leider war es nicht möglich, so Werkleiter Weingarten, aus der Region selber die entsprechenden Angebote zu bekommen.Für die rund 60 Motorenteile habe man weltweit 70 verschiedene Adressen abgeklappert.Mehr als 40 Prozent des Fertigungsmaterials müßten aus dem Ausland bezogen werden.Die Lieferwege für einzelne Teile des Motors, der bis Ende 1999 als Benziner-, Diesel- und Hybridversion angeboten werden soll, reichen hier bis nach Japan.Marketing und Vertrieb des modernen Zweisitzers sollen über ein eigenständiges Distributionsnetz gesteuert werden, das über 100 Verkaufs- und Servicestützpunkte in 86 europäischen Ballungszentren umfaßt.Nach Auskunft Remmels sei man von der hohen Zahl der Vorbestellungen - Preise für das Auto wurden noch nicht genannt - völlig überrascht worden.Die Investitionen für die "smart"-Produktion in Berlin gab er mit 100 Mill.DM an.Insgesamt sind für Marienfelde, dem ältesten produzierenden Werk der Daimler-Benz AG, für die nächsten 10 Jahren Investitionen von rund 500 Mill.DM eingeplant.Dabei will sich das Unternehmen insbesondere auf dem Ausbildungssektor engagieren.Wie Weingarten erklärte, werden noch in diesem Jahr 30 zustäzliche Plätze eingerichtet, um einen Beitrag zur Entspannung der schwierigen Situation in der Stadt zu leisten.Mit jetzt insgesamt 200 Auszubildenden liege man deutlich über dem Branchendurchschnitt. Den "smart", der Auskunft seiner Hersteller ein völlig neues Marktsegment in der Autoindustrie schaffen soll, baut Daimler zusammen der für ihre Swatchuhren bekannten "Schweizerischen Gesellschaft für Mikroelektronik AG" (SMH).Die Arbeit leistet die Micro Compact Car AG (MCC), ein gemeinsames Joint Venture Unternehmen, an dem Daimler 51 Prozent und SMH 49 Prozent hält.

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