Wirtschaft : KPM-Belegschaft fordert Unterstützung vom Senat

Land Berlin soll für Investitionen bürgen BERLIN (fbs).Jahrelang hatte die Belegschaft der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) trotz Kenntnis der schwierigen Finanzlage des Betriebs geschwiegen, um die Sanierungsbemühungen von Senat und Geschäftsführung nicht zu gefährden.Nachdem Geschäftsführer Harald Gänz mit seinem spektakulären Rücktritt am Freitag ein deutliches Zeichen gegen die zögerliche Senatspolitik bei der Investorensuche für das KPM-Gelände gesetzt hatte, trat gestern auch die KPM-Belegschaft vor das Werkstor in der Wegelystraße. "Klare politische Entscheidungen zur Erhaltung des Traditionsunternehmens KPM", forderte der stellvertretende Landeschef der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hermann Borghorst vom Berliner Senat.Die Belegschaft habe ihren Teil zur Rettung der Firma gegeben, betonte auch KPM-Betriebsrätin Bozana Kreische und erinnerte an den Abbau von 210 Arbeitsplätzen bei KPM und den Verzicht der verbleibenden 240 KPM-Mitarbeiter auf Lohnerhöhungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld.Jetzt sei die andere Seite, der Berliner Senat, an der Reihe. Etwa 80 Mill.DM sind laut Gewerkschaft für die Entschuldung und Sanierung der Porzellanmanufaktur nötig.50 bis 60 Mill.DM könnten durch den geplanten Verkauf eines Großteils des KPM-Grundstücks erwirtschaftet werden.Die KPM-Produktion soll dabei auf engem Raum konzentriert werden.Für die dazu benötigten Investitionen in Höhe von etwa 30 Mill.DM forderten Gewerkschaft und Betriebsrat eine Bürgschaft des Landes Berlin.Auf dieser Grundlage könne die KPM dann mit den Banken verhandeln.Binnen vier Wochen müsse der Grundstückverkauf - und insbesondere die ausstehenden Baurechtsfragen - jedoch geklärt sein, rechnet IG BCE-Landeschef Ulrich Freese.Andernfalls sehe er die "Liquiditätsfrage bei KPM kritisch".Das Unternehmen fuhr in den letzten Jahren einen jährlichen Verlust von rund 10 Mill.DM ein.Im Moment würden die Löhne noch gezahlt, doch "die Kassen laufen leer", warnte Freese.Das Wort Konkurs mochte er aber nicht nennen.

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