Wirtschaft : KPM steht vor einem Scherbenhaufen

LISA DIEDRICH (fbs)

Sanierung des Traditionsunternehmens kommt nicht recht voran / Geschäftsführer wirft das HandtuchVON LISA DIEDRICH (fbs) BERLIN.Die Sanierung der landeseigenen Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) kommt offenbar nur schleppend voran.Seit Jahren schreibt das traditionsreiche Berliner Unternehmen rote Zahlen.Am Freitag warf nun der erst vor knapp zwei Jahren angetretene Geschäftsführer Harald Gänz das Handtuch.Zu den Gründen des überraschenden Rücktritts hält sich die KPM-Zentrale in der Wegelystraße im Berliner Bezirk Tiergarten bedeckt.Auch der zuständige Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Dieter Ernst, wollte die Sache am Dienstag als "internen Vorgang bei KPM" nicht kommentieren.In einem Schreiben an Wirtschaftssenator Elmar Pieroth soll Gänz aber "Enttäuschung über mangelnde Unterstützung" durch die Verwaltung als Grund für seine Entscheidung genannt haben.Dies gefährde die Sanierung des Betriebs. Der ehemalige Landesbetrieb war 1988 in eine GmbH umgewandelt worden, bei der das Land Berlin alleiniger Gesellschafter ist.Trotz eingeleiteten Sanierungsplans - Ende 1994 trennte sich KPM unter anderem von der verlustbringenden technischen Keramik - waren die Verluste bei dem Porzellanhersteller aber weiter gestiegen.1993 wurden 6,5 Mill.DM Miese eingefahren, auch im folgenden Jahr lag das Minus "im zweistelligen Millionenbereich".Als Beitrag zur Sanierung will der Wirtschaftssenat nun ein Firmengrundstück als Entwicklungsgebiet verkaufen.Im August 1997 begann die Suche nach einem Investor. Was den Grundstücksverkauf betrifft, war man sich am Dienstag jedoch, so scheint es, im eigenen Haus nicht einig.Während Senatssprecher Michael-Andreas Butz in der Senatssitzung von "erheblichen Schwierigkeiten" bei dem Verkauf sprach, betonte die Wirtschaftsverwaltung, konkrete Verhandlungen mit Berliner Investoren stünden kurz vor dem Abschluß.Über den Verkauf des 36 000 Quadratmeter großen Geländes am Tiergartenrand sollen die "notwendigen Investitionen" zur Sanierung des Betriebs in die Kassen fließen."Es geht um einen Betrag von 50 Mill.DM", sagte Ernst."Wir haben noch ein Stück Arbeit vor uns, aber die Sanierung ist zu bewältigen, kommentierte er die "wirtschaftlich schwierige Lage" des Unternehmens.Man wolle das wichtige Traditionsunternehmen für die Stadt aber langfristig stabilisieren und erhalten. Auch die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der KPM-Betriebsrat fordern den Senat zur Rettung des Unternehmens auf.Bei KPM sind derzeit noch 252 Mitarbeiter (1991: 454) beschäftigt.Der Verkauf des Grundstücks müsse schnell verwirklicht werden, meinen die Arbeitnehmervertreter.

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