Wirtschaft : KPN: Neuer Chef soll den Telekomkonzern aus der Krise führen

Klaus Bachmann

Die niederländische Telekomgesellschaft KPN bestätigte am Montag Presseberichte, wonach der bisherige Vorstandschef Paul Smits durch den Chef des ehemals staatlichen Postbetriebs, Ad Scheepbouwer, ersetzt werden soll. Scheepbouwer solle sein Amt so schnell wie möglich antreten, spätestens aber am 1. Januar 2002. Direkte Folge des guten Rufes von Scheepbouwer, so der Aufsichtsrat, seien erfolgreiche Verhandlungen über einen Überbrückungskredit von 2,5 Milliarden Euro für KPN, zu dem sich ein nicht näher genanntes Bankenkonsortium bereiterklärt habe. Mit dem Kreditrahmen sollen Liquiditätsprobleme vermieden werden.

Paul Smits bleibt Mitglied des Vorstandes und wird künftig nur für den Betriebsbereich Mobilfunk zuständig sein. Er war 2000 angetreten, aus KPN einen der drei größten Telekom-Betreiber Europas zu machen. Doch weder Banken noch Anteilseigner von KPN goutierten das starke Engagement des Konzerns bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen. KPN kaufte sich mit der Übernahme des Mobilnetzes E-Plus auch in den deutschen Markt ein, verschuldete sich aber stark. Der Versuch, sich 5 Milliarden Euro durch eine Neuemission am Kapitalmarkt zu holen, scheiterte am Desinteresse der Investoren. KPNs Kreditfähigkeit nahm dramatisch ab. Am Freitag stufte die Ratingagentur Moodys die Kreditwürdigkeit von KPN herab und drohte mit weiteren Sanktionen, falls KPN nicht imstande sei, seine Schulden deutlich zu reduzieren. Dies belaufen sich zur Zeit auf 22,8 Milliarden Euro.

Seit Monaten ist KPN dabei, Unternehmensteile und Beteiligungen zu veräußern, um Schulden zu reduzieren. Am Freitag wurde der Verkauf der für den Bau und die Unterhaltung des Festnetzes zuständigen Abteilung bekanntgegeben. Abgeschlossen ist die Transaktion aber noch nicht, denn das Bau-Unternehmen zweifelt daran, dass KPN als größter künftiger Kunde der Neuerwerbung im Stande sein wird, seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Auch eine Beteiligung in Singapore steht zum Verkauf. KPN hat Forderungen von Analysten nach drastischeren Maßnahmen bisher abgelehnt. So will die Firma weder ihr Festnetz, noch ihre Anteile an der deutschen E-Plus veräußern.

Die niederländische Regierung hält an KPN einen Anteil von 35 Prozent. Mit Rücksicht auf das europäische Wettbewerbsrecht kann die niederländische Regierung KPN finanziell nicht mehr helfen, seit das niederländische Post- und Telefonmonopol 1998 abgeschafft wurde. Als Gewinner erwies sich dabei klar die Post, die sich seither hohe Dividendenzahlungen leisten kann. Als Vater dieses Erfolgs gilt Scheepbouwer, der nun an die Spitze des KPN-Vorstandes geholt wurde.

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