Wirtschaft : Krach um Lohnrunde

Spitzenfunktionäre der Gewerkschaften haben gestern dementiert, dass sie sich mit der Bundesregierung über eine moderate Tarifrunde im kommenden Jahr verständigt haben. Die stellvertetende Vorsitzende des DGB, Ursula Engelen-Kefer, sagte, es gebe eine solche Vereinbarung nicht. Verdi-Chef Frank Bisrske sagte, dass es bei dem Treffen der Gewerkschaftschefs mit dem Bundeskanzler vor einer Woche keine Gespräche über Laufzeit und Höhe des Abschlusses gegeben habe. Dafür würde er als Gewerkschaftschef auch nicht zur Verfügung stehen.

"Der Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass die Gewerkschaften bei dem Treffen mit dem Bundeskanzler, das in Düsseldorf statt gefunden hatte, einer "detaillierten Marschroute" über Verhandlungstermine und Laufzeiten der Tarifverträge zugestimmt haben. Ein internes Protokoll beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) halte außerdem fest, dass die Bundesregierung im Gegenzug das Vorziehen von Investitionen und eine Verstetigung der Arbeitsförderung zugesagt habe.

Wenn die Gewerkschaften tatsächlich eine solch weit reichende Vereinbarung getroffen haben, wäre das eine tarifpolitische Revolution: Erstmals würden die Arbeitnehmer offiziell ein Mitspracherecht der Regierung bei der Tarifrunde einräumen - und das, bevor sie mit der eigenen Basis gesprochen haben. Danach wäre die Tarifrunde bereits gelaufen - jedenfalls der erste Zeitraum, der bis zum Jahresende reichen soll.

Schon in der vergangenen Woche hatte IG-Metallchef Klaus Zwickel angedeutet, er könne sich vorstellen, zunächst einen kurzfristigen Tarifvertrag für etwa neun Monate abzuschließen. Dass sich die Gewerkschaften intern jedoch kaum einig über die Marschroute der kommenden Tarifrunde sind, zeigt der Widerspruch im eigenen Lager: Sowohl der IG-Metall-Vize Jürgen Peters als auch der Bezirksvorsitzende Berthold Huber sprachen sich gegen den Vorschlag aus.

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