Wirtschaft : Kräftemessen beim Kanzler

Die wichtigsten Akteure im Bündnis für Arbeit

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Dieter Hundt gehört zu denen, die immer wieder dafür gesorgt haben, dass die Bündnisrunden wenigstens einigermaßen gesittet beendet wurden. Im Notfall verabredete Hundt schon mal im Vorfeld der Gespräche mit den Gewerkschaftern, auf welches Papier man sich verständigen könnte. Nur diesmal ist dem Präsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) einiges schief gegangen. Erst plauderte er aus einem vertraulichen Treffen mit dem Bundeswirtschaftsminister und dem Chef des DGB. Dann präsentierte er einen SechsPunkte-Plan zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit, der so nicht abgesprochen war. Deshalb herrscht im Augenblick Funkstille zwischen DGB-Chef Michael Sommer und Dieter Hundt. Die BDA stört das nicht besonders. Ohne Hundt, heißt es, läuft beim Bündnis nichts.

Klaus Zwickel ist der Boss der Gewerkschafter. Das sagt zwar keiner, aber alle wissen das. Frank Bsirske, der in seiner Dienstleistungsgewerkschaft Verdi noch ein paar tausend Mitglieder mehr hat als Zwickel in der IG Metall, ist noch zu frisch im Amt. Und für Michael Sommer gilt das sowieso. Der DGB-Vorsitzende hat traditionell gegenüber den Chefs der Einzelgewerkschaften nicht viel zu melden, und in Sommers Fall kommt hinzu, dass er sich nach zehn Monaten im Amt erst noch auf der Bühne zurechtfinden muss. Allerdings: Sommer ist ein geborener Bündnispartner. Selbst die Gegner im eigenen Lager attestieren ihm enorme Kommunikationsfähigkeit. Der schärfste Gegner der bisherigen Konsensrunden ist Frank Bsirske. Die Verabredungen am Kanzlertisch hätten „den Praxistest nicht bestanden“, sagt der Verdi-Chef und meint vor allem die gewerkschaftliche Selbstverpflichtung auf eine moderate Tarifpolitik. Hubertus Schmoldt sieht das nicht ganz so verbissen, der Vorsitzende der IG Bergbau, Chemie, Energie, hat das beste Verhältnis zum Bundeskanzler. Wenn die anderen klassenkämpferisch dröhnen oder den einen oder anderen Reformgedanken ruckzuck diffamieren, tritt der moderate Schmoldt an die Seite der Regierung. Unter den Gewerkschaftern ist er der größte Bündnis-Anhänger.

BDI-Präsident Michael Rogowski hat ein Problem: den Bundeskanzler. Gerhard Schröder mag ihn nicht und Rogowski mag Schröder nicht. Keine guten Voraussetzungen, um beim Bündnis für Arbeit eine zentrale Rolle zu spielen. Schröder hatte auch schon einmal laut darüber nachgedacht, „bestimmte Personen“ gar nicht einzuladen. Jetzt ist Rogowski doch dabei - und in einer für ihn ungewohnten Rolle. Statt Hundt hat er diesmal im Vorfeld Gespräche mit DGB-Chef Sommer geführt. Und mit dem Chef des Handwerks, Dieter Philipp, weiß er sich neuerdings auch ganz einig: Die Politik muss vor allem dem Mittelstand dienen. Da ist es dann auch nicht so schlimm, wenn der Kanzler andere Wirtschaftler einfach lieber mag. alf/uwe

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