Wirtschaft : Kräftiger Gewinnrückgang bei Tchibo

Kaffeeröster leidet unter Konkurrenz der Discounter – und ordnet das Geschäft jetzt neu

Maren Peters

Berlin - „Jede Woche eine neue Warenwelt“ hat Tchibo seinen Kunden versprochen – doch die wissen das zwischen Skiausrüstung, Fahrradhelm und Werkzeugkiste variierende Angebot des Hamburger Kaffeerösters in letzter Zeit immer weniger zu schätzen. Der operative Gewinn im Kerngeschäft mit Röstkaffee und Gebrauchsartikeln sei im vergangenen Jahr um zwei Drittel eingebrochen, teilte Tchibo am Dienstag in Hamburg mit. In diesem Jahr rechnet Tchibo mit einem Umsatz und Gewinn auf Vorjahresniveau. Arno Mahlert, der designierte Vorstandschef der größten Kaffeehauskette Deutschlands (und der viertgrößten der Welt), kündigte gestern ein „Maßnahmenpaket“ an, mit dem die Wettbewerbsfähigkeit des Teilkonzerns Tchibo gesteigert werden soll. Details nannte er nicht.

Tchibo leidet unter wachsendem Konkurrenzdruck. Seitdem auch Aldi & Co wöchentlich wechselnde Gebrauchsartikel zu günstigen Preisen anbieten, bleiben die Hamburger immer öfter auf ihren Warenbeständen sitzen, die nach Branchenangaben weit mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen. „Tchibo war Pionier“, sagte Michael Gerling vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI dieser Zeitung. „Inzwischen sind viele andere auch groß und stark geworden.“ Junge Ketten wie H&M oder Zara konkurrierten bei den Textilien, Möbelmärkte wie Ikea im Mitnahmesortiment. „Tchibo bleibt gar nichts anderes übrig, als sein Profil zu schärfen, um sich stärker von den anderen abzuheben“, sagt Gerling.

Die Eignerfamilie Hertz hat die Weichen für die Neuausrichtung bereits gestellt: Dieter Ammer, bisher Chef der Tchibo-Holding, zu der neben dem Kaffeegeschäft auch die Mehrheit am Nivea-Konzern Beiersdorf gehört, muss den Stuhl Ende April räumen – ein Jahr früher als geplant. Sein Nachfolger Arno Mahlert, der Anfang Mai offiziell übernimmt, war bisher Finanzvorstand. Die Eigentümerfamilie will außerdem einen Gesellschafterausschuss einrichten, um ihren Einfluss zu erweitern.

Im vergangenen Jahr sank der operative Gewinn im Kerngeschäft auf 143 Millionen Euro. Das waren zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Der Umsatz fiel um zwei Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Deutlich besser lief es in der Tchibo Holding, die den Überschuss aufgrund von Sondereffekten auf 1,084 Milliarden Euro verdoppelte. Dazu beigetragen hat unter anderem der Verkauf der Rechte an der Zigarettenmarke Davidoff für 540 Millionen Euro. Auch die 50,5-prozentige Beteiligung am Konsumgüterkonzern Beiersdorf hat sich ausgezahlt: Der Umsatz in diesem Konzernbereich stieg um sieben Prozent, unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von 668 Millionen Euro.

Um das Kerngeschäft wieder in Schwung zu bringen, will der Kaffeeröster eine neue Modekollektion („Mitch & Co) auflegen. Für die neue Kollektion konnten die Hamburger den früheren Adidas-Kreativchef Michael Michalski gewinnen. Mit seiner Hilfe will Tchibo vor allem in der jüngeren Zielgruppe neue Kunden gewinnen. Künftig soll es auch möglich sein, die Kleidung im Laden anzuprobieren; Tchibo hat angekündigt, demnächst Umkleidekabinen aufzustellen.

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