Wirtschaft : Kraftakt für Mercedes

Daimler-Chrysler legt Sanierungsprogramm für Smart auf/Ergebnis wird außerdem durch die jüngste Rückrufaktion belastet

Bernd Hops

Berlin - Der Autokonzern Daimler- Chrysler versucht, mit einem Kraftakt seine angeschlagene Tochter Mercedes Car Group wieder auf Kurs zu bringen. Am Freitag teilte das Unternehmen mit, dass für den Kleinwagenhersteller Smart ein Sanierungskonzept entwickelt worden sei. Die Belastungen für dieses Jahr werden dadurch auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Nach Angaben des Betriebsrats fallen voraussichtlich 700 der bisher rund 2200 Stellen weg. Daimler-Chrysler versprach sozialverträgliche Lösungen. Gleichzeitig räumte ein Konzernsprecher in Stuttgart ein, dass die am Donnerstag gestartete Rückrufaktion von Mercedes – mit 1,3 Millionen betroffenen Fahrzeugen die größte in der Unternehmensgeschichte – das Ergebnis im zweiten Quartal belasten werde.

In der Branche war seit längerem erwartet worden, dass die massiven Probleme der Mercedes Car Group, zu der die Marken Mercedes, Smart und Maybach gehören, angegangen werden. Während sich bei Mercedes-Fahrzeugen zuletzt die Qualitätsmängel häuften, kämpft Smart mit einem zu geringen Absatz (siehe Kasten). Die Details des neuen Sanierungsplans sollen in den kommenden Wochen ausgearbeitet und dann Ende April dem Aufsichtsrat des Konzerns vorgelegt werden.

Vorgesehen ist eine starke Beschneidung der Modellpalette beim Smart, um sich auf die aussichtsreichsten Fahrzeuge zu konzentrieren. Daimler-Chrysler teilte mit, dass der Smart Roadster ab Jahresende nicht mehr produziert wird. Die Pläne, den Smart auch in der Geländewagen-Variante (SUV) herauszubringen, werden zu den Akten gelegt. Bei der nächsten Generation des Zweisitzer-Modells Smart „Fortwo“ soll ein Drei-Zylinder-Benzinmotor zum Einsatz kommen, der auch von anderen Herstellern verwendet wird, um Kostenvorteile zu erzielen. Die Zusammenarbeit mit Mitsubishi Motors beim Viersitzer Smart „Forfour“ bleibt wiederum bestehen.

Die Fixkosten bei der Smartproduktion sollen laut Daimler-Chrysler in den nächsten zwei Jahren um 30 Prozent sinken. Im Jahr 2007 soll das Ergebnis um 600 Millionen Euro steigen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Dem Vernehmen nach machte der Konzern mit Smart 2004 einen Verlust von 600 Millionen Euro und erwartete auch für dieses Jahr ein Minus in gleicher Höhe. Schwarze Zahlen waren ursprünglich für 2006 geplant.

Als treibende Kraft der jüngsten Beschlüsse sehen Experten offenbar weniger Konzernchef Jürgen Schrempp, sondern vielmehr den neuen Mercedes-Chef Eckhard Cordes. Frank Biller, Analyst der BW Bank, sagte dem Tagesspiegel: „Cordes nutzt als neuer Chef die Gunst der Stunde.“ Er müsse jetzt „das Fundament schaffen, auf dem er stehen kann“. Kurzfristig stellten die angekündigten Schritte eine Belastung dar. Doch zum einen wäre eine komplette Schließung von Smart – unter anderem wegen bestehender langfristiger Verträge mit Zulieferern – ebenfalls teuer geworden, sagte Biller. Zum anderen könne Mercedes nur mit einer umfassenden und konsequenten Rückrufaktion langfristig das Vertrauen in die Qualität seiner Premiumfahrzeuge wiederherstellen – auch wenn der Absatz kurzfristig darunter leiden dürfte.

Für 2005 geht Biller davon aus, dass der Konzernüberschuss bei Daimler-Chrysler auf 1,8 Milliarden Euro fallen wird – nach rund 2,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. „2006 ist für Daimler-Chrysler das Tal aber voraussichtlich durchschritten“, sagte Biller. Er prognostiziert für das kommende Jahr wieder einen Konzernüberschuss von 3,2 Millarden Euro.

Bei einem anderen Problem von Daimler-Chrysler gab es am Freitag ebenfalls eine Lösung – zumindest teilweise: Im Betrugsprozess gegen sechs ehemalige Konzernmitarbeiter wurde das Verfahren gegen Geldauflagen eingestellt. Der Prozess gegen die vier Hauptangeklagten wird jedoch vor dem Stuttgarter Landgericht fortgesetzt.

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