Wirtschaft : Kraftmaschinen und Sparautos im Pariser Salon

PARIS (tsp).Der vierte Platz an Bord blieb frei, als die Chefs von DaimlerChrysler und BMW am Dienstag gemeinsam in der neuen S-Klasse von Mercedes für die Kameras posierten.Bei ihrem ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt seit Verkündung der Fusion ihrer beiden Konzerne hatten Jürgen Schrempp und Bob Eaton auf dem 100.Pariser Automobil-Salon auch BMW-Chef Bernd Pischetsrieder mit ins Schlepptau genommen.In die Reihe der S-Klasse unter Deutschlands Automanagern hätte auch VW-Chef Ferdinand Piëch gepaßt, der schon seit dem Morgen im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand.Ein dicht gedrängter Pulk von Journalisten, Fotografen und Kameraleuten hatte am VW-Stand gebannt auf den weißen Vorhang geschaut, hinter dem sich der blaue Bugatti EB 118 verbarg.Als der Vorhang bereits zur Vorstellung des Drei-Liter-Autos wankte und erste Blicke auf das Luxusmodell freigab, scherzte Piëch: "Wie Sie sehen, haben unsere Mitarbeiter etwas Probleme mit der Verschleierung."

Auf dem Automobil-Salon demonstriert der einst eher betuliche Konzern aus Wolfsburg hochgesteckte Ambitionen wie noch nie.Der Bugatti am VW-Stand wird umrahmt von einem Rolls-Royce Silver Seraph und einem Bentley Continental: automobiler Luxus pur.Da bleibt das weltweit erste Drei-Liter-Auto als das technologisch fortschrittlichste Modell zunächst im Abseits.VW hat in den vergangenen Jahren nicht nur alles daran gesetzt, als erster Hersteller ein solches Auto auf den Markt zu bringen.Piëch pries den sparsamen, aber 170 Stundenkilometer schnellen Öko-Flitzer als vollwertiges Auto, "das zu keinerlei Entzugserscheinungen führt".Schon jetzt ist klar: Das Beispiel VW-Lupo wird Schule machen.Die VW-Töchter Audi und Seat arbeiten schon an vergleichbaren Autos, andere Hersteller ebenfalls.

Neben dem Trend zu verbrauchsarmen "Sparbüchsen" zeichnet sich mit dem Escort-Nachfolger Ford Focus eine Renaissance von Autos mit unverwechselbarem Design ab.Dazu gehören verchromte Zierelemente, die ebenfalls wieder im Kommen sind.Auch ausgefeilte High-Tech-Ausstattung dringt in immer weitere Bereiche des klassischen Automobilbaus.So bietet Porsche bei seinem neuen Carrera 4 ein elektronisch gesteuertes Gaspedal an."Die Attraktivität der Marken wird entscheidend für den Erfolg sein", betonte auch Schrempp bei der Vorstellung der technologisch anspruchsvollen neuen S-Klasse.

Eine weitere Botschaft des 100.Pariser Automobil-Salons, der an diesem Mittwoch für zehn Tage seine Pforten öffnet, dürfte für den Verbraucher noch interessanter sein: Der Druck auf die Preise dauert an.Da immer mehr Autohersteller vom Kleinwagen bis hin zum PS-starken Boliden in allen Marktbereichen präsent sein wollen, wird der Wettbewerb härter.Viele Hersteller treten den Kampf um Marktanteile mit Preisreduzierungen oder serienmäßig hochwertiger Ausstattung an, die in diesem Ausmaß früher undenkbar gewesen wäre.

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