Krankenhäuser : Das Bettengeschäft

Fresenius will seine Tochter Helios mit der Rhön-Kette verschmelzen. Gewerkschaften und kommunalen Kliniken passt das gar nicht.

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In Berlin vertreten: Helios betreibt neben dem Klinikum Buch auch das Behring-Krankenhaus in Zehlendorf. Rhön-Klinikum ist dagegen an der Spree bislang nicht präsent. Foto: dpa/pa
In Berlin vertreten: Helios betreibt neben dem Klinikum Buch auch das Behring-Krankenhaus in Zehlendorf. Rhön-Klinikum ist dagegen...Foto: picture alliance / dpa

Berlin - Mit einer Milliarden-Übernahme will der Gesundheitskonzern Fresenius zum unangefochtenen Marktführer unter den privaten Klinikbetreibern aufsteigen. Das im Deutschen Aktienindex Dax notierte Unternehmen kündigte am Donnerstag ein Angebot für die ebenfalls börsennotierte Rhön-Klinikum AG an. Den Rhön-Aktionären bietet Fresenius 3,1 Milliarden Euro – 22,50 Euro je Anteil. Die Offerte liegt damit 52 Prozent über dem Schlusskurs des Papiers vom Mittwoch.

Fresenius-Chef Ulf Schneider sprach von einem bedeutenden Schritt beim weiteren Ausbau des Krankenhausgeschäfts. Gemeinsam mit der Fresenius-Tochter Helios soll der neue Verbund einen Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro haben und über 80 000 Mitarbeiter beschäftigen. Helios ist in der Region mit Kliniken in Berlin-Buch und -Zehlendorf sowie in Bad Saarow und Brandenburg an der Havel vertreten. Die Rhön-Kette betreibt ein Haus in Frankfurt an der Oder. Mit der Übernahme würde erstmals ein flächendeckender privater Klinikbetreiber entstehen. Für 75 Prozent der Bevölkerung soll dann eine Klinik von Helios-Rhön in weniger als einer Stunde erreichbar sein, kündigte Schneider an. Die hohen Übernahmekosten sollen sich durch „erhebliche Vorteile in Einkauf, Service und Verwaltung amortisieren. „Wir wollen alle Dienstleistungen von der Diagnose bis zur Reha anbieten“, sagte Helios-Sprecherin Constanze von der Schulenburg dem Tagesspiegel.

Experten zufolge kämen Fresenius und Rhön auf einen Marktanteil von sieben bis acht Prozent am Klinikmarkt. Die meisten Betten stehen jedoch in Häusern öffentlicher Träger. Von den 500 000 Klinikbetten landesweit werden lediglich 83 000 in privaten Einrichtungen angeboten. Rund 250 000 verwalten hingegen öffentliche Krankenhäuser, also kommunale oder Unikliniken.

Ob sich Fresenius mit seinen Übernahmeplan durchsetzt, ist jedoch keinesfalls sicher. Der Konzern knüpft sein Angebot daran, dass er 90 Prozent der Stimmrechte bekommt. Das ist nötig, weil bei Rhön-Klinikum satzungsändernde Beschlüsse und Kapitalmaßnahme eine solche Mehrheit voraussetzen. Firmengründer und Aufsichtsratschef Egon Münch, der mit seiner Familie 12,5 Prozent der Rhön-Anteile hält, unterstützt die Übernahme zwar als „richtigen und wegweisenden Schritt“. In der Unternehmensführung will man sich dagegen noch nicht festlegen. „Ich habe das in dieser Form erst heute morgen erfahren“, sagte Finanzvorstand Erik Hamann.

Der Großteil der Rhön-Aktien befindet sich in Streubesitz. Das könnte es den Konkurrenten Asklepios und Sana, aber auch Finanzspekulanten erlauben, Anteile an der Börse aufzukaufen und die Übernahme zu verteuern, hieß es in Branchenkreisen. An der Börse verteuerten sich Rhön-Aktien um 45 Prozent. Fresenius-Papiere brachen zunächst ein, gingen dann aber mit einem Plus von über zwei Prozent aus dem Handel. Probleme könnten auch die Wettbewerbshüter machen. Sie prüfen nicht nur die Auswirkungen für Patienten, sondern auch, ob der neue Verbund beim Einkauf von Materialien und Dienstleistungen zu stark wird. In der Branche rechnet man damit, dass ein Zusammenschluss wohl nur mit Auflagen – etwa dem Verkauf bestimmter Häuser an Dritte – genehmigt werden dürfte.

Kritik kam von Gewerkschaften und kommunalen Kliniken. „Ich bin dagegen, dass aus den Mitteln der Krankenversicherung die Rendite von Aktionären bezahlt wird“, betonte Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke. „Das Übernahmeangebot wirft ein Schlaglicht auf das Krankenhauswesen in Deutschland“, sagte der Vorsitzende des Interessenverbandes Kommunaler Krankenhäuser, Bernhard Ziegler, dem Tagesspiegel. „Deutschland braucht keine Mega-Fusion der Privaten, sondern Rahmenbedingungen, die es lokal verankerten und modernen Krankenhäusern ermöglichen, erstklassige Leistungen anzubieten, die sich am Bedarf der Patienten orientieren.“

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