Krankenhäuser : Jeder fünften Klinik droht bis 2020 die Pleite

Aktuell geht es den meisten deutschen Kliniken wirtschaftlich relativ gut. Wenn sie ihre Effizienz in den nächsten Jahren aber nicht steigern, droht die Zahl der Insolvenzen zu steigen. Schwierig wird es vor allem für kleine Häuser.

Maike Telgheder

Berlin - Die mehr als drei Milliarden Euro Finanzspritze der Bundesregierung zur Krankenhausförderung im vergangenen Jahr hat geholfen: Aktuell geht es den meisten deutschen Kliniken wirtschaftlich relativ gut. Wenn sie ihre Effizienz in den nächsten Jahren aber nicht steigern, droht die Zahl der von Insolvenz bedrohten Kliniken von zuletzt elf Prozent auf 18 Prozent im Jahr 2020 zu steigen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des diesjährigen Krankenhaus-Rating-Reports des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) und der Beratungsgesellschaft Admed.

„Wir erwarten, dass einige Häuser im Laufe des Jahrzehnts aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen. Bedroht sind insbesondere kleine, öffentlich-rechtliche oder ländliche Krankenhäuser“, sagte Studienautor Boris Augurzky vom RWI am Mittwoch bei der Vorstellung des Reports auf dem Hauptstadkongress Medizin und Gesundheit in Berlin.

Kleine Krankenhäuser werden nach Ansicht der Studienautoren erhebliche Schwierigkeiten bekommen, wenn ihr Leistungsportfolio zu breit ist. Bei der Analyse der Zahlen schneiden Kliniken mit nur einer oder zwei Fachabteilungen deutlich besser ab, als solche mit drei oder mehr Abteilungen. „Ein Erfolgsrezept könnte also die Fokussierung auf wenige Leistungen sein“, meinte Sebastian Krolop von der Beratungsgesellschaft Admed. Probleme dürften nach Ansicht der Studienautoren insbesondere Kliniken in Westdeutschland bekommen, weil sie hohe Pensionsaufwendungen durch Zahlungen in Versorgungskassen haben. Ostdeutsche Häuser gehören meist keiner öffentlichen Zusatzversorgung an.

Kliniken mit zufriedenen Patienten haben ein besseres Rating

Alles in allem werden die mehr als 2000 Krankenhäuser ihre Effizienz weiter verbessern müssen, so die Autoren: „Ohne betriebliche Optimierungsmaßnahmen werden die Kosten langfristig stärker als die Erlöse steigen. Damit würde sich die gute wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ab 2010 schrittweise wieder verschlechtern“, sagte Augurzky. Da die öffentlichen Investitionen tendenziell rückläufig sind, müssen die Betriebe ihre Innenfinanzierungskraft stärken. Investitionen sind nötig, um die Betriebsprozesse zu optimieren und mehr Ertrag erwirtschaften zu können.

Dabei helfen könnten übrigens zufriedene Patienten. Denn wie der Rating Report zeigt, haben Kliniken, in denen die Patienten eine hohe Zufriedenheit zeigen, tendenziell ein besseres Rating. „Wer ein gutes Rating hat und wirtschaftlich stark ist, kann einerseits seinen Patienten mehr bieten. Umgekehrt gilt aber auch, dass Krankenhäuser, die kundenfreundlich sind, mehr Patienten gewinnen, damit besser ausgelastet sind und schließlich wirtschaftlicher arbeiten“, sagte Krolop.

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