Wirtschaft : Krankenkassen: Erste Klasse auch für Normalverdiener

Dagmar Rosenfeld

Das Notwendigste, um eine ausreichende medizinische Versorgung zu gewährleisten - mehr beinhaltet der Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenkassen nicht. Für alle Kassenpatienten, für die es auch mal ein bisschen mehr sein darf, bietet sich eine private Zusatzversicherung an. Auch wenn sie nicht genug verdienen, um ganz in die private Kasse zu wechseln, können gesetzlich Versicherte so den Status eines Privatpatienten erlangen.

Mehr als 4,3 Millionen der 72 Millionen Kassenpatienten haben eine Zusatzpolice für stationäre Behandlungen abgeschlossen. Diese Tarife beinhalten eine Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer - Chefarztbehandlung inklusive. Hinzu kommt die Möglichkeit der freien Krankenhauswahl. Während gesetzlich Versicherte mit dem nächstgelegenen Hospital, das für ihre Behandlung geeignet ist, vorlieb nehmen müssen, sind Zusatzversicherte von dieser Zwangsverschickung befreit. Der Bundesverband der Versicherungsberater empfiehlt daher besonders Versicherten, die nicht in Städten mit einem großen Klinikangebot leben, den Abschluss eines stationären Zusatztarifes.

Die monatlichen Beiträge für stationäre Zusatzpolicen liegen zwischen 30 und 65 Euro, je nach Versicherer, Geschlecht und Eintrittsalter. Daher raten Experten, spätestens mit 35 Jahren eine Zusatzpolice abzuschließen. Für Menschen mit Vorerkrankungen ist es allerdings schwierig, den zusätzlichen Versicherungsschutz zu bekommen. Denn die privaten Kassen sind nicht verpflichtet, jeden Kunden anzunehmen. Ebenso können sie Risikozuschläge verlangen oder bestimmte Leistungen ausschließen.

Zusatztarife gibt es auch für die ambulante Versorgung. Die bekannteste Ergänzungspolice ist die Zahnzusatzversicherung für Kronen, Brücken und Gebisse. Hier erstatten die gesetzlichen Kassen nur 50 Prozent - bei regelmäßiger Vorsorge 65 Prozent - der Kosten. Durch eine private Ergänzungsversicherung können weitere 20 bis 30 Prozent abgedeckt werden. Die monatlichen Beiträge liegen zwischen zehn und 35 Euro.

Viele Versicherer bieten ihre Leistungen allerdings nur im Paket an. So gibt es bei einigen privaten Kassen Ergänzungstarife für Zahnersatz nur in Kombination mit weiteren Ergänzungsleistungen. Das können Zuzahlungen für Brillen, Hörgeräte oder Arzneimittel sein. Die Verbraucher-Initiative in Berlin empfiehlt daher abzuwägen, welche Leistungen für den eigenen Bedarf wirklich sinnvoll sind. Denn wer selbst monatlich 13 Euro zur Seite legt, kann sich auch aus eigener Kraft alle drei Jahre eine Brille für fast 500 Euro leisten.

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