Wirtschaft : Krankenversicherung: Neue Gesundheits-Finanzierung

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Um die anstehenden demografischen Probleme in der gesetzlichen Krankenversicherung zu lösen, will die Vereinte Krankenversicherung AG, München, die Finanzierung des Gesundheitsystems komplett umstellen. Statt des bisherigen Umlageverfahrens hat das Tochterunternehmen der Allianz AG den Wechsel zum Kapitaldeckungsverfahren vorgeschlagen. Einen ähnlichen Weg ist die Bundesregierung bereits mit der Reform der Rentenversicherung gegangen. "Ohne die Umstellung verdoppelt sich der Beitrag zur Krankenversicherung bis 2050 auf 21 bis 26 Prozent", warnte der Vereinte-Vorstandsvorsitzende Ulrich Rumm am Mittwoch in Berlin. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte noch am Wochenende einen solchen Systemwechsel als nicht machbar abgelehnt.

Kern des Vereinte-Modells ist die Ablösung der gesetzlichen Krankenkassen durch private Versicherungen. Jeder Erwachsene ab 21 Jahren muss sich versichern. Der Beitrag kostet, unabhängig von Berufstätigkeit oder Einkommen, 200 Euro pro Kopf. Der Arbeitgeberanteil soll jedoch ausbezahlt werden. Kinder sind beitragsfrei mitversichert, Risikozuschläge für Vorschäden gibt es nicht. Nach dem Vereinte-Modell dürfen die Versicherungen keinen Antragsteller wegen des Risikos zu hoher Krankheitskosten ablehnen. Wer den Versicherungsbeitrag nicht zahlen kann, soll vom Staat unterstützt werden. Derzeit beträgt der Maximalbeitrag rund 225 Euro.

"Diese Verschmelzung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung ist gerechter als das jetzige System", sagte Klaus-Dirk Henke, Gesundheitsökonom an der Technischen Universität Berlin, der das Modell entworfen hat. Versicherungsfremde Leistungen, Mutterschafts- oder Sterbegeld etwa, würden, anders als heute, aus Steuermitteln bezahlt. Den Betrag, der systemwidrig heute von den Versicherten gezahlt wird, bezifferte er auf 40 Milliarden Euro. Die Stützung, welche der Staat einkommensschwachen Bürgern im neuen System zahlen müsse, betrüge 46 Milliarden Euro.

Der Vorschlag sei nur ein Entwurf, sagte Henke. Ungelöst sei noch der Übergang vom Umlage- auf das Kapitaldeckungsverfahren. Das Problem: Der Staat müsste auf Jahre hinaus Leistungen für viele Versicherte des derzeitigen Systems bezahlen. Denn für Versicherte, die mit zum Beispiel 50 Jahren zur kapitalgedeckten Versicherung wechseln, kann die Assekuranz keinen Kapitalstock für das Alter ansparen. Die Lösung dafür will Henke im Herbst präsentieren.

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