Wirtschaft : Krankheit kostet Deutsche 565 Milliarden Mark

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Krankheit verursacht in Deutschland extrem hohe Kosten für Unternehmen und Krankenkassen. Weltweit ist der Arbeitsausfall nur in den USA und in Österreich teurer, ergab eine am Montag veröffentlichte Studie des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in München. Insgesamt fließen demnach hier zu Lande 14,7 Prozent der Wirtschaftsleistung in den krankheitsbedingten Arbeitsausfall, ergab die Untersuchung. Nur in den USA mit einem Anteil von 15,7 Prozent und in Österreich mit einem Anteil von 14,8 Prozent ist es teurer, wenn Beschäftigte nicht zur Arbeit erscheinen. Unterdessen gibt es neuen Streit um das Arzneimittel-Sparpaket von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

Das Institut addierte für den Vergleich den Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowie die durch Krankheit verlorenenen Arbeitstage von 20 Industrieländern. In Deutschland werden von 100 erwirtschafteten Mark 10,50 Mark für die Gesundheit aufgewendet, damit liegt das Land international auf Platz drei. Bei den verlorenen Arbeitstagen kam Deutschland mit 4,2 Prozent der jährlichen Arbeitstage auf einen Rang im Mittelfeld.

Der Ifo-Wirtschaftsforscher Rigmar Osterkamp, Autor der Studie, führte die hohen Kosten in Deutschland unter anderem auf das hiesige System der Lohnfortzahlung zurück. Denn die Zahl der verlorenen Arbeitstage stehe in direktem Zusammenhang mit der Großzügigkeit bei der Lohnfortzahlung. "Länder, die nicht großzügig sind, haben geringere Krankenstände. Großzügige Länder haben hohe Krankenstände", sagte er. Laut Ifo-Studie zahlen Norwegen, Österreich, Luxemburg und Deutschland im Krankheitsfall besonders umfassend weiter. Allerdings spielten auch weitere Faktoren beim Arbeitsausfall eine Rolle, etwa die Sicherheit am Arbeitsplatz, das Niveau der Krankenversorgung oder die konjunkturelle Lage. In Wirtschaftskrisen fehlen die Menschen demnach seltener krankheitsbedingt.

Unterdessen geht der Streit über eine Senkung der Gesundheitskosten in Deutschland weiter. Apotheker und Pharma-Industrie stritten am Montag erneut über das geplante Arzneimittel-Sparpaket der Regierung. Kern ist die so genannte Aut-idem-Regelung, nach der die Ärzte künftig statt eines bestimmten Medikaments nur noch einen Wirkstoff verschreiben sollen. Den Apothekern soll es dann überlassen bleiben, aus einer Wirkstoffgruppe ein günstiges Mittel auszusuchen. Damit will Schmidt 450 Millionen Mark pro Jahr sparen.

Die Apotheker warnten Schmidt am Montag in Berlin davor, dem Druck der Pharmaverbände nachzugeben und auf die Aut-Idem-Regelung zu verzichten. In diesem Fall dürften auch die Arznei-Rabatte nicht erhöht werden, die die Apotheken den Krankenkassen einräumen,erklärte die Bundesvereinigung Deutschen Apothekerverbände (ABDA). Andernfalls drohe in den 21 600 deutschen Apotheken der Verlust von 10 000 Arbeitsplätzen.

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und der Deutsche Generikaverband reagierten darauf mit einer erneuten Kritik an Aut-idem. Auch Kassenärzte, Verbraucherschützer und Pharmakologen hätten massive Bedenken gegen diese Regelung, da Patienten nicht mehr die gewöhnten Mittel bekämen. "Das verwirrt die Patienten völlig", meinte BPI-Geschäftsführer Hans Sendler. Er warf Gesundheitsministerin Schmidt vor, aus Spargründen "leichtfertig die Gesundheit des Patienten aufs Spiel" zu setzen. Die Pharma-Hersteller hatten der Regierung vor kurzem angeboten, die Aut-idem-Regelung gegen die Zahlung von 900 Millionen Mark an die Krankenkassen fallen zu lassen.

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