Wirtschaft : Kreditanstalt für Wiederaufbau: KfW nimmt den Banken das Risiko ab

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Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat am Montag ein neues Finanzierungsinstrument vorgestellt, mit dem mittelständische Unternehmen künftig problemloser als bisher an Kredite der Geschäftsbanken und der KfW kommen sollen. Die KfW will künftig das Risiko der Kredite übernehmen und am Kapitalmarkt verkaufen. Hintergrund sind die Klagen aus der Wirtschaft darüber, dass sich die großen Kreditinstitute aus dem Firmenkundengeschäft zurückzögen, weil sie die Kredite mit wertvollem Eigenkapital absichern (unterlegen) müssen. Sie konzentrieren sich, lieber auf das lukrativere Investmentbanking und die Vermögensverwaltung. Während die Privatbanken 1991 noch 69 Prozent der zinsgünstigen KfW-Gelder an ihre Kundschaft weiter gaben, ist ihr Anteil mittlerweile auf 33 Prozent gesunken.

Künftig wird die KfW deshalb das Risiko vom Kredit trennen. So werden die Geschäftsbanken von Ausfallrisiken entlastet und gewinnen mehr Freiheiten für die Ausgabe neuer Kredite, weil weniger Eigenkapital gebunden ist. Ein erstes Paket hat die KfW jetzt aus Krediten der Düsseldorfer IKB Deutsche Industriebank geschnürt. Kreditrisiken im Volumen von 2,5 Milliarden Euro, die aus der Vergabe von rund 2500 Förderkrediten beruhen, sollen in den nächsten Wochen in Form von Anleihen im Volumen von mindestens 100 000 Euro mit Hilfe der US-Investmentbank Merrill Lynch an institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Fonds weitergegeben werden.

In der Beziehung zwischen Bank und kreditnehmendem Mittelständler ändert sich durch die Weitergabe der Kreditrisiken nichts. "Die Kredite bleiben bei uns in den Büchern", versichert IKB-Vorstandssprecher Alexander von Tippelskirch. Für die Investoren wiederum seien die neuen Anleihen, die eine Laufzeit von sieben Jahren haben, höchst interessant, weil nur Kredite an solide und dynamische Mittelständler gebündelt würden. Sollten die Kredite tatsächlich ausfallen, teilen sich IKB und die Zeichner der Anleihe das Risiko. Weitere Mandate hat die KfW bereits von der Dresdner Bank und der Hypo-Vereinsbank. So könnten, so der KfW-Vorstandssprecher Hans Reich, schon in diesem Jahr Kreditrisiken im Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro gebündelt, verbrieft und als Anleihe an institutionelle Investoren verkauft werden. Auch den Sparkassen und Genossenschaftsbanken soll diese Möglichkeit der Risiko-Weitergabe, die bereits in den USA gehandhabt wird, angeboten werden.

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