Wirtschaft : Kreditanstalt für Wiederaufbau zieht Bilanz

KfW: Mittelstandsmotor angesprungen/KfW-Chef Vogt lobt Marshall-Plan

FRANKFURT (MAIN) (ro).Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fühlt sich in der Rolle eines "Parkhauses" des Bundes durchaus wohl ­ "wenn an der Kasse bezahlt wird", wie Vorstandssprecher Gert Vogt betont.Deshalb sind nach seinen Worten "Parkmodelle" nach dem Beispiel des Bundesanteils an der Lufthansa auch für andere Privatisierungen von Bundesbesitz als Zwischenlösung über die KfW möglich.Dies könnte etwa auch für die Telekom-Aktien gelten.Konkrete Vereinbarungen mit dem Finanzministerium gebe es aber nicht, betonte Vogt auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch. Das Lufthansa-Paket von 37,4 Prozent, das die KfW Ende 1996 für zwei Mrd.DM vom Bund übernommen hat, soll noch im Herbst mit Hilfe von Geschäftsbanken an der Börse plaziert werden.Der vermutliche Mehrerlös der KfW ­ der Kurs der Lufthansa- Aktie ist seit Jahresanfang um gut 35 Prozent gestiegen ­ kommt dem Bund zugute, abzüglich der bei der KfW angefallenen Kosten.Denn das Geld für die vorübergehende Hereinnahme des Aktienpaktes hat sich die Bank am Kapitalmarkt beschafft. Generell steht für Vogt außer Frage, daß solche Parkhaus- Modelle wie im Falle Lufthansa kostenneutral abgewickelt werden müssen und die Förderprogramme und -kredite nicht beeinflussen dürfen.Wenn dies nicht der Fall sei, könne die KfW solche Ansinnen auch zurückweisen.In den 60iger Jahren habe es schon einmal solche Ablehnungen gegeben, betont der KfW-Chef.Klar ist für ihn auch, daß die KfW solche Pakete nur vorübergehend in ihren Büchern hält und nicht wie früher im Fall Viag oder Ruhrkohle über Jahre hin an den Unternehmen beteiligt bleibt.Für eine Zwischenlagerung von Gold sieht sich die KfW im übrigen als falsche Adresse.,Dafür sind unsere Tresore viel zu klein und außerdem sind die Zinsen auf Gold so verdammt niedrig, nämlich gleich null", meint Vogt. Mit ihrer eigentlichen Arbeit ist die KfW auch in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres zufrieden.,Der Mittelstandsmotor ist angesprungen und läuft", betont Vogt.18,1 Milliarden DM an Krediten wurden von der KfW von Januar bis April zugesagt, 6,1 Milliarden DM gingen davon an den Mittelstand, 1,5 Milliarden DM an mittelständische Firmen in Ostdeutschland.,Täglich bearbeiten wir derzeit Kreditanträge in Höhe von 100 Millionen DM", betont Vogt.Dazu hat die KfW im Auftrag der Bundesregierung im Februar ein Sonderprogramm von 14 Milliarden DM aufgelegt, mit dem auf die Förderprogramme noch weitere Sonderkonditionen gewährt werden.Damit sollen in diesem Jahr Investitionen von 21 Milliarden DM angestoßen und knapp 300.000 Arbeitsplätze für ein Jahr gesichert werden.Insgesamt stehen der deutschen Wirtschaft 1997 rund 50 Milliarden DM aus Mitteln der KfW zur Verfügung.An Kapital mangele es also nicht, betont Vogt.Die von der KfW geförderten Unternehmen würden 1997 insgesamt rund 13.000 neue Arbeitsplätze schaffen und rund 230.000 Jobs sichern.1996 hatte die KfW der deutschen Wirtschaft mit insgesamt 46,5 Milliarden DM unter die Arme gegriffen, 16,5 Milliarden davon flossen an kleinere und mittlere Unternehmen. Abstriche mußten in den ersten vier Monaten allerdings die Entwicklungsländer machen.Aufgrund der Bonner Sparmaßnahmen gebe es hier ,deutliche Bremsspuren", sagte Vogt.Die Zusagen der KfW schrumpfen im Vergleich zum ersten Jahresdrittel 1996 von 1,4 Milliarden DM auf nur noch 800 Millionen DM. Vogt würdigte angesichts des 50sten Jahrestages im übrigen den Marshall-Plan, aus dem die heute noch laufenden ERP (European Recovery)-Programme hervorgegangen sind.,Der Marshall-Plan war eine außergewöhnlich großzügige und sehr wirkungsvolle Hilfe.Bis heute hat er Modellcharakter." Allerdings werden heute nur noch zehn Prozent der KfW-Programme aus ERP-Mitteln finanziert.1950 waren es noch gut 60 Prozent.

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