Wirtschaft : Kredite für den Mittelstand werden teurer - Erneutes Votum für Fusion mit der Ausgleichsbank

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Auch wenn die privaten Banken die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und insbesondere Vorstandssprecher Hans Reich unlängst heftig angegangen haben, weil dieser das nachlassende Interesse der Großbanken für den Mittelstand kritisiert hatte, greift die KfW den Banken unter die Arme. Das bundeseigene Geldhaus will den privaten Banken, aber auch den Volksbanken und Sparkassen Risiken abnehmen, indem sie Mittelstandskredite übernimmt, zu neuen Finanzpaketen schnürt und diese wiederum an interessierte institutionelle Investoren weitergibt. Dadurch soll das Eigenkapital der Banken und Sparkassen entlastet und neuer Spielraum für Mittelstandskredite geschaffen werden. "Das Kreditrisiko für die Banken muss überschaubarer gestaltet werden", sagte Reich am Montag auf der Bilanzpressekonferenz.

Seine angebliche Kritik an den Großbanken sei keine Kritik, sondern eine Tatsachenfeststellung. Kosten- und Ertragsdruck ließen die Geldhäuser genauer auf ihre Risiken schauen und das Firmenkundengeschäft neu ausrichten. Dazu kämen neue Eigenkapitalvorschriften für die Absicherung von Krediten. "Vielen kleinen und mittleren Unternehmen stehen daher höhere Finanzierungskosten ins Haus, und nicht wenige könnten in Schwierigkeiten kommen, überhaupt ein Kreditinstitut für die langfristige Investitionsfinanzierung zu finden." Das erfordere zum einen, so Reich, von den Mittelständlern mehr Transparenz und Offenheit, damit das Kreditrisiko fundiert eingeschätzt werden könne. Zum anderen müssten sich auch die Banken bewegen. Deshalb ergreife die KfW die Initiative. Man stehe bereits in sehr konkreten Gesprächen über die Übernahme von Mittelstandskrediten und ihre Kombination mit den Forderungen anderer Banken. So, glaubt Reich, könne die KfW neue, attraktive Forderungspakete schnüren. Die ersten solcher verbrieften Forderungen und Risiken, sogenannte Asset Backed Securities, könnten schon im Herbst an den Kapitalmarkt gebracht werden.

Daneben wird die KfW nach Angaben von Reich ihr Mittelstandsprogramm "runderneuern". So soll über Margen und Zinssätze zwischen besseren und schlechteren Risiken differenziert und die Kosten der Kreditabwicklung gedrückt werden.

Die KfW hatte unlängst festgestellt, dass sich der Anteil der Großbanken an den Förderkrediten für den Mittelstand in den letzten zehn Jahren von 32 auf 16 Prozent halbiert, Regionalbanken nur noch neun statt früher 14 Prozent abwickeln und Banken mit Sonderaufgaben nur noch mit 14 statt früher 24 Prozent dabei sind. Dagegen erhöhten sich die Anteile der Genossenschaftsbanken am Zusagevolumen von zehn auf 23 Prozent und der Sparkassen von 20 auf 28 Prozent.

Als vorteilhaft für die Mittelstandsförderung würde es Reich auch betrachten, wenn KfW und die Deutsche Ausgleichbank (DTA) in Bonn endlich unter ein Dach kämen. Dies würde Ressourcen freisetzen. "Auf Sicht wird die Einsicht wachsen", sagt Reich mit Blick auf den Bund, der über einen Zusammenschluss der beiden bundeseigenen Förderbanken entscheiden müsste. Reich stellt allerdings auch klar, dass die KfW bei einem fusionierten Institut das Sagen haben muss. Nur dann gebe es Synergieeffekte. "Wir machen das ganz oder gar nicht."

Vor allem im Mittelstandsprogramm der KfW hat sich die Nachfrage in den ersten vier Monaten deutlich abgeschwächt. Nachgefragt wurden von Januar bis April neue Kredite im Volumen von 2,6 Milliarden Euro nach 4,6 Milliarden Euro vor einem Jahr. Reich macht dafür vor allem die steigenden Zinsen verantwortlich. Als schlechtes Zeichen für die Konjunktur könne man dies auf keinen Fall werten. Allerdings ist sich Reich sicher, dass die KfW ihre Ausleihungen auch im gesamten Jahr 2000 nicht auf dem Niveau des Vorjahres wird halten können. Damals hatte die KfW allein die deutsche Wirtschaft mit Investitionskrediten in Höhe von 32,4 Milliarden Euro unterstützt. Auch bei der Förderung der Entwicklungsländer muss die KfW Abstriche machen. Unter anderem durch die Kürzungen im Etat des Entwicklungshilfeministeriums gingen die Zusagen von Januar bis April von 296 Millionen auf nur noch 143 Millionen Euro zurück. Über die noch stärkere Mischung von eigenen Mitteln mit Geld vom Kapitalmarkt will die KfW die Lücke stopfen und am Jahresende den Entwicklungsländern wie im Vorjahr wieder drei Milliarden Euro an frischen Mitteln zugesagt haben. Vor allem auf dem Balkan sieht KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Matthäus-Meier großen Handlungsbedarf.

Gerüchte über ein Platzierungsvolumen von etwa zehn Milliarden Euro für die im Juni geplante dritte Emission von Telekom-Aktien bestätigte Reich im übrigen nicht. Die KfW hält derzeit für den Bund knapp 22 Prozent der Telekom-Aktien.

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