Kredite : Problemlöser der Stadt

Die Investitionsbank Berlin hat den Unternehmen 2010 so viele Kredite zugesagt wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Mit dem Geld könnten die Betriebe neue Arbeitsplätze schaffen.

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Wenn die Berliner Unternehmen Kredite aufnehmen, ist das ein gutes Zeichen für die wirtschaftliche Lage der Stadt. Denn im besten Fall verwenden sie das Geld, um neue Maschinen zu kaufen, oder Projekte zu finanzieren, die wiederum Ertrag bringen und Arbeitsplätze schaffen. So gesehen, scheint es der Wirtschaft immer besser zu gehen. Die Investitionsbank Berlin (IBB) machte im Jahr 2010 Finanzierungszusagen in Höhe von fast zwei Milliarden Euro. Das waren über 50 Prozent mehr als noch im Jahr davor und der höchste Wert seit mehr als fünf Jahren. Für IBB-Chef Ulrich Kissing sind die Zahlen „ein Beleg dafür, dass die Berliner Unternehmen den krisenbedingten Investitionsstau wieder aufgelöst haben“. Mit Hilfe der IBB-Kredite seien im Jahr 2010 Investitionen von rund 4,3 Milliarden Euro in der Berliner Wirtschaft angeschoben worden.

Kissing rechnet damit, dass die gute Laune in der Berliner Wirtschaft trotz der Katastrophennachrichten aus Japan und der wachsenden Inflation weiter anhält. „Wir rechnen auch für 2011 mit einem realen Wachstum von 2,5 Prozent“, sagte der IBB-Chef. Allerdings werde die Dynamik im zweiten Halbjahr etwas nachlassen. Das vergangene Jahr sei auch deshalb so stark gewesen, weil die Impulse aus dem Konjunkturpaket noch nachgewirkt hätten. Damit sei jetzt Schluss. Noch seien die Auftragsbücher in Industrie und Baugewerbe aber „gut gefüllt“.

Deshalb würde Kissing das Kreditgeschäft der IBB gern ausweiten. Bislang darf die Förderbank, die zu hundert Prozent dem Land Berlin gehört, etwa keine eigenen Bürgschaften vergeben. Darum plant die IBB einen Bürgschaftsfonds in Höhe von 30 Millionen Euro, finanziert mit Mitteln der Europäischen Union. „Berlin ist im Gegensatz zu anderen Bundesländern sehr restriktiv in der Bürgschaftspolitik“, sagte Kissing. Dabei seien gerade die hiesigen Unternehmen, die oft wenig Sicherheiten, aber dafür gute Ideen anzubieten hätten, auf Bürgschaften angewiesen, um bei den Banken Kredit zu bekommen. Die Finanzinstitute seien nach wie vor „vorsichtig“ bei der Kreditvergabe. Durch die Bürgschaft einer landeseigenen Bank wäre ein Kredit für sie mit weniger Risiken verbunden. „Wir wollen als Problemlöser für Hausbanken und Unternehmen aktiv werden“, sagte Kissing. Der geplante Fonds soll für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen in einer Höhe zwischen einer und fünf Millionen bürgen.

Etwa 20 Prozent der Finanzierungszusagen der IBB im letzten Jahr entfielen auf den Bereich Wirtschaftsförderung. Hier vergibt die Förderbank gemeinsam mit den privaten Banken Gründungs- und Wachstumskredite. IBB-Kredite sind für die Firmen deutlich günstiger als die Konditionen der Geschäftsbanken. Gefördert werden bevorzugt Unternehmen aus den Berliner Kompetenzfeldern wie Biotechnologie, Verkehr oder Energie. 2010 wurden die meisten Zusagen im Bereich Verkehr und Mobilität gemacht. Den weitaus größeren Teil der Kredite, nämlich 80 Prozent, vergibt die IBB im Bereich Immobilien- und Stadtentwicklung. Hier habe sich vor allem die gestiegene Nachfrage nach energetischer Gebäudesanierung bemerkbar gemacht, sagte Kissing.

Vor allem in diesem Geschäftsbereich verdient die IBB auch Geld. Insgesamt schloss die Bank das Jahr 2010 mit einem Überschuss von 54,1 Millionen Euro ab. Damit lag die Bank gut zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Kissing begründete das Ergebnis unter anderem mit der Risikovorsorge, die man deutlich erhöht habe. 32 Millionen Euro davon sind bereits in Form von Förderleistungen in die Berliner Wirtschaft geflossen, unter anderem an Berlin Partner. Die verbleibenden 22 Millionen Euro fließen direkt in den Landeshaushalt.

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