Kredite : Schaeffler kommt ohne Staatshilfe klar

Der schwer angeschlagene Familienkonzern Schaeffler hat sich mit den Banken über den Schuldendienst geeinigt. Das operative Geschäft wird damit deutlich entlastet.

Axel Höpner,Hans G. Nagl
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Neues Selbstbewusstsein. Eine Schaeffler-Mitarbeiterin pinnte sich Buttons ihres Arbeitgebers ans Revers. -Foto: dpa

Frankfurt am Main/MünchenFrankfurt am Main /München - Die angeschlagene Schaeffler-Gruppe hat sich mit den Gläubigerbanken auf eine Refinanzierung ihres immensen Schuldenbergs geeinigt. Um eine spätere Fusion mit Conti zu ermöglichen, werden die Verbindlichkeiten von rund zwölf Milliarden Euro auf eine operative Gesellschaft und eine Holding aufgeteilt. „Wir haben mit der Einigung über das Finanzierungskonzept einen zentralen Meilenstein erreicht, um die Schaeffler-Gruppe in den nächsten Jahren erfolgreich weiterzuentwickeln“, sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld am Dienstag.

Die Schaeffler- Gruppe hatte sich an der Übernahme des dreimal größeren Rivalen Conti verhoben. Durch die Refinanzierung gewinnt der Konzern nun Zeit – und die Familie Schaeffler behält fürs Erste ihren Einfluss. Die Gläubigerbanken, die von der Commerzbank angeführt werden, können wiederum Abschreibungen vermeiden.

Zu Details äußerten sich die Verhandlungspartner nicht. Nach Informationen des „Handelsblatts“ verbleibt der größere Teil der Schulden in der operativen Gesellschaft, die einmal mit Conti fusioniert werden soll. Laut Finanzkreisen kommen Kredite von vier bis fünf Milliarden Euro in die neue Holding. Staatshilfe ist nicht Teil des Konzepts.

Durch die Verlängerung der Kredite steigt nach „Handelsblatt“-Informationen die Zinslast für Schaeffler. „Natürlich sind die Konditionen etwas schlechter“, hieß es in Branchenkreisen. Schließlich seien die alten Kreditverträge in einem komplett anderen wirtschaftlichen Umfeld abgeschlossen worden. Die neuen Konditionen wurden in Finanz- und Industriekreisen als marktüblich bezeichnet. Entgegen früheren Erwägungen werden die Zinszahlungen nicht ausgesetzt. Schaeffler ist aber zuversichtlich, die Zinslast aus dem operativen Geschäft bedienen zu können. Auch die Banken trauen dem Konzern dies zu.

Durch die Verlängerung der Kredite werden die Banken ihre Forderungen nun nicht in Eigenkapital wandeln. „Der Debt-Equity-Swap ist vom Tisch“, sagte ein Beteiligter. Die Familie Schaeffler bleibe alleiniger Eigentümer.

Schaeffler erklärte, die Grundsatzeinigung sichere die Finanzierung „nachhaltig“ für die nächsten Jahre. Die Kredite, die bei der operativen Gesellschaft verbleiben, haben den Angaben zufolge eine Laufzeit von bis zu viereinhalb Jahren. Die Schulden, die auf die Holding abgeschoben werden, haben eine Kreditlaufzeit von bis zu sechs Jahren.

Die Vereinbarung sieht auch vor, dass Schaeffler eine „kapitalmarktorientierte Struktur“ bekommt. Vorstellbar ist also zum Beispiel die Umwandlung in eine KGaA oder eine AG. Auf diesem Weg würde die Gruppe transparenter. Zudem würde der Einstieg von externen Investoren ermöglicht. „Für Schaeffler ist das ein Riesenschritt“, hieß es im Konzern.

Die Arbeitnehmer reagierten erleichtert auf die Einigung. „Wir begrüßen das natürlich sehr“, sagte Wolfgang Müller, Schaeffler-Betreuer bei der IG Metall. Die Verringerung der Schuldenlast der operativen Gesellschaft sei ein großer Schritt nach vorne.

Auch die Börse wertete die Vereinbarung als Fortschritt. Die Conti-Aktie legte gestern um zeitweise mehr als 13 Prozent auf gut 25 Euro zu. Schließlich ist für Conti nun eine Fusion mit dem Großaktionär unter günstigeren Voraussetzungen möglich. Allerdings dürfe der Kurssprung angesichts des geringen Streubesitzes nicht überbewertet werden, sagte Analyst Marc-René Tonn von M.M.Warburg. Die Aktie mache nur die Verluste der vergangenen Tage wett. Zuletzt hatte Conti unter einer Herabstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s gelitten.

Nach der Einigung Schaefflers mit seinen Banken ist nun Conti am Zug. Der Autozulieferer leidet seit der VDO-Übernahme ebenfalls unter einem immensen Schuldenberg und plant eine Kapitalerhöhung. Eine Fusion von Schaeffler und Conti könnte in etwa zwölf Monaten über die Bühne gehen. „Das bleibt weiterhin das Ziel“, hieß es in Verhandlungskreisen. HB

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